Die anhaltenden Militäraktionen der USA und Israels im Nahen Osten verursachen zunehmende Unruhe in den Finanz- und Energiemärkten. Der Preis für ein Fass Brent-Öl stieg kürzlich um bis zu 4 Prozent auf 114,50 Dollar, während asiatische Aktienbörsen deutliche Verluste verzeichneten. In Europa und der Schweiz blieben die Märkte am Montag relativ stabil, doch seit Jahresbeginn sind der SMI um 4,5 Prozent, der DAX um 8,5 Prozent und der S&P-500 um rund 7 Prozent gefallen.
Santosh Brivio von der Migros Bank beschreibt, dass die Befürchtungen über einen langwierigen Konflikt zunehmen. Viele Investoren hofften auf einen kurzen Konflikt und reagierten nun umso stärker auf die Aussicht eines anhaltenden Krieges. Präsident Trump steht unter Druck, innenpolitisch Erfolge zu präsentieren, was den Gegenwind in den Energiemärkten verstärken könnte.
Die Huthi-Miliz aus Jemen erklärte ihren Eintritt in den Krieg, unterstützt durch Iran. In einem Interview mit der “Financial Times” äußerte Trump Interesse daran, iranisches Öl zu kontrollieren, ähnlich wie bei Venezuela vor einigen Monaten. Das US-Verteidigungsministerium hat bereits 10.000 Soldaten in die Region verlegt und erwägt laut einem Bericht des “Wall Street Journal” einen Militäreinsatz in Iran zur Sicherung von Uran.
Am Montag setzten die USA und Israel ihre Angriffe fort, während Trump indirekte diplomatische Fortschritte meldete. Er drohte damit, iranische Energieanlagen anzugreifen, falls keine Zustimmung zum Plan zur Beendigung des Konflikts erfolgt.
Der Iran-Konflikt beeinflusst nicht nur die Region, sondern auch globale Wirtschaftsstrukturen durch gestiegene Risikoprämien und beschädigte Lieferketten. Brivio skizziert zwei Szenarien: Ein günstigeres mit begrenzter Eskalation und ein ungünstigeres mit anhaltenden Angriffen auf Öl- und Gasinfrastrukturen, was zu langfristigen Produktionsausfällen führen könnte.
Aktuell ist keine Entspannung am Ölmarkt in Sicht. Die Preise für Brent-Öl sind um 88 Prozent gestiegen, für WTI um rund 76 Prozent seit Jahresbeginn. In einem günstigeren Ausgang könnten die Energiepreise wieder fallen, wenn Vertrauen in die Lieferungen zurückkehrt; im ungünstigen Szenario droht ein langanhaltender Engpass.
Thomas Stucki von der Kantonalbank sieht neben dem Kriegsverlauf auch die wirtschaftlichen Wachstumsauswirkungen und geldpolitische Reaktionen als entscheidend an. Die Erwartungshaltung hat sich geändert: Zentralbanken könnten aufgrund steigender Energiepreise und Inflationserwartungen die Zinsen erhöhen, was Aktien belasten könnte.
Konjunktursensible Sektoren wie Industrie und Tourismus reagieren empfindlich auf die Entwicklungen. Branchen wie Energie könnten durch höhere Preise gestützt werden. “Die Situation bringt auch Gewinner hervor, wie US-Ölkonzerne”, merkt Brivio an.
Investoren flüchten in sichere Anlagen: Der Schweizer Franken, US-Staatsanleihen, deutsche Bundesanleihen und Gold könnten profitieren. Trotz einer jüngsten Kurskorrektur bei Gold ist es für Investoren wichtig, nicht überstürzt zu handeln. Laut Brivio sollten Anleger langfristig denken und auf eine breite Streuung ihrer Risiken setzen. Eine solide Anlagestrategie mit Produkten wie ETFs bleibt entscheidend.
In unsicheren Zeiten neigen Privatanleger dazu, übermäßig nervös zu werden, was sie riskieren lässt, Gewinne zu verpassen. Marktbeobachtungen zeigen, dass Market-Timing für Privatinvestoren meist erfolglos ist.