Die anhaltenden Konflikte im Iran und die steigenden Preise beeinflussen massiv die Urlaubsplanungen. Andreas Wittmer, Luftfahrtexperte von der Universität St. Gallen, erläutert, warum sich viele Schweizerinnen und Schweizer in ihren Reiseabsichten neu orientieren.
Andreas Wittmer ist Dozent an der Universität St. Gallen und leitet das Center for Aviation and Space Competence sowie das Institut für Systemisches Management und Public Governance.
SRF News: Die Tendenz geht weg von Fernreisen hin zu europäischen Zielen. Ist diese Entwicklung verständlich?
Andreas Wittmer: Absolut, es ist eine nachvollziehbare Reaktion. Der Anstieg der Treibstoffpreise führt zu teureren Flugtickets. Hinzu kommt die globale Unsicherheit, was viele dazu bewegt, in Europa zu bleiben, um im Notfall schneller zurückzukommen. Dies beeinflusst deutlich die Nachfrage.
Inwiefern sind Schweizer Reisende preissensitiv?Generell vergleichen Flugpassagiere Preise und entscheiden sich häufig für günstigere Optionen. In der Schweiz ist diese Sensibilität etwas weniger ausgeprägt als anderswo in Europa, doch sie spielt eine Rolle. Bei stark steigenden Preisen wechseln manche zu erschwinglicheren Zielen oder brechen ihre Reisepläne ab.
Welche Destinationen sind besonders betroffen?Beliebte Sommerziele wie Griechenland sind oft teurer und stark nachgefragt. Gleichzeitig bleiben einige Regionen im Osten günstiger, was zu Buchungsverschiebungen führt.
Einige Fluggesellschaften streichen bereits Langstreckenflüge, beispielsweise Edelweiss Air die USA-Verbindungen. Sollten wir mit weiteren Reduzierungen rechnen?Ja, das ist wahrscheinlich. Hohe Treibstoffkosten machen bestimmte Routen unrentabel und bei limitierter Verfügbarkeit müssen Airlines entsprechend handeln.
Müssen Reisende mit gebuchten Urlaubsplänen besorgt sein?Sich Sorgen zu machen, ist nicht notwendig, Flexibilität jedoch wird zunehmend wichtig. Änderungen sind möglich: längere Flugzeiten durch neue Routen, Zwischenstopps zum Betanken oder vereinzelt auch gestrichene Verbindungen könnten die Reise komplizierter machen.
Wie unterscheidet sich diese Lage von früheren Krisen wie 9/11 oder der Covid-Pandemie?Der entscheidende Unterschied liegt in der potenziellen Treibstoffknappheit. Frühere Krisen hatten andere Ursachen, heute besteht erstmals das Risiko, dass Flugzeuge am Boden bleiben müssen.
Wie ernst ist die aktuelle Situation einzustufen?Es ist schwierig, eine genaue Einschätzung zu geben. Lässt sich kein neuer Treibstoff über längere Zeit liefern, sind Engpässe vorprogrammiert, und Prioritäten werden notwendig.
Das Interview führte Rahel Winkelmann.
10vor10, 17.4.2026, 21:50 Uhr