An Silvester ging Alice erstmals in eine Bar, das «Constellation». Ihr Vater Antonis Kallergis fragt sich bis heute: Warum endete dieser Abend so tragisch? Er zeigt auf ein Grab mit Blumen und Souvenirs – die gewollte Unordnung seiner kreativen Tochter. Alice lacht aus einem Foto heraus, ihre 15 Jahre verleihen ihr einen erwachsenen Eindruck.\n\nKallergis erinnert sich an Alices Rolle in der Familie: «Sie hat uns zusammengehalten.» Am 1\. Januar wurde sie bei einer Brandkatastrophe getötet. Kallergis, der lange auf die Identifizierung hoffte, ist nun vor Bundesgericht, weil er den Ausstand der Staatsanwälte fordert: «Sie nutzen nicht alle Mittel zur Wahrheitsfindung.»\n\nAlice ruht in Pully bei Lausanne unter acht Teenagern von Crans-Montana. Kallergis verbindet sich mit anderen Betroffenen, die ebenfalls Kinder verloren haben, und spricht von einer Solidargemeinschaft. «Man erinnert sich an die Armee», sagt er über seine Verbindung zu den Vätern der Opfer.\n\nKallergis’ Rechtsstreit könnte weitreichende Folgen haben: Sollten die Staatsanwältinnen ausscheiden, müsste das Verfahren womöglich neu aufgerollt werden. Kallergis fragte nicht nach der Meinung anderer Betroffener – «die Wahrheit offenbart sich nicht per Mehrheitsbeschluss.»\n\nSeine Klage war zunächst erfolglos; das Walliser Kantonsgericht sah keine Veranlassung für härtere Ermittlungen. Nun liegt die Beschwerde beim Bundesgericht, deren Ausgang ungewiss ist.\n\nKallergis, ein gebürtiger Grieche, der in Lausanne studierte und nun Unternehmer ist, sieht das Systemversagen als Ursache des Unglücks: «Es gibt Regeln, die ignoriert wurden.» Er fordert eine klare Anerkennung von Fehlern. Sein Vertrauen in die Schweiz hat gelitten, aber er bleibt überzeugt vom System.\n\nAuf dem Friedhof in Pully spricht Kallergis mit anderen Hinterbliebenen und fühlt sich in der Pflicht gegenüber Alice. «Sie lebt durch uns», sagt er. Für ihn steht fest: Er kämpft für das Vermächtnis ihrer Kinder, um zu verhindern, dass so etwas je wieder passiert.