Schweizer Behörden haben erneut ihre Sorgfalt im Umgang mit sensiblen Daten vermissen lassen. Dieser Vorfall stellt ein Problem für die Selbstwahrnehmung eines Landes dar, das sich traditionell auf Präzision und funktionierende Systeme stützt.
Für Journalisten ist eine “Medienkonferenz zur Rechnung 2025” mit Zahlen und Finanzbegriffen oft kein besonders spannender Termin. Dennoch müssen sie einmal im Jahr teilnehmen, wie auch die Redaktion der “Appenzeller Zeitung” am 18. März in Appenzell.
Finanzdirektor Ruedi Eberle präsentierte den anwesenden Lokaljournalisten die Zahlen mit positiver Bilanz des Kantons: ein Budgetüberschuss von 14,6 Millionen Franken. Er nutzte dabei seine bekannten meteorologischen Metaphern und beschrieb die Lage als “schönes Wetter auf der Bergwanderung”.
Nach der Präsentation über die “Entwicklung Personalaufwand”, das “Wachstum und Niveau kantonaler sowie kommunaler Personal- und Personalausgaben pro Einwohner” und die “Finanzpolitische Würdigung” erhielten die Journalisten einen USB-Stick mit der Powerpoint-Präsentation. Dies sollte eine nachträgliche Prüfung von Zahlen ermöglichen.
Ein Redaktor der “Appenzeller Zeitung” entdeckte jedoch, dass auf dem Stick weit mehr Daten lagen: eine Liste aller Kantonsangestellten inklusive Löhnen und Überstunden sowie Informationen über Studiendarlehen. Darüber hinaus befanden sich 159 Seiten mit Schulden von Privatpersonen, Firmen und Behörden (2,7 Millionen Franken insgesamt per 5. Januar) sowie Auskünfte zu Fahndungen darauf.
Es handelte sich um nicht öffentliche Informationen. Dies vergleicht Finanzdirektor Eberle wohl mit einem “heftigen Gewitter”. Die Zeitung machte die Panne am Mittwoch publik und kommentierte, es fehle an Sorgfalt und Verständnis für Datensicherheit.
Zuvor war der Kanton Basel-Stadt wegen eines IT-Vorfalls in den Schlagzeilen gewesen: 2048 elektronische Stimmen von Auslandsbaslern und stimmberechtigten Menschen mit Behinderung konnten nicht entziffert werden, da Probleme bei der Entschlüsselung des USB-Sticks auftraten.
Auch in der Ostschweiz gibt es Negativbeispiele: Im Innerrhoder Bezirk Schlatt-Haslen verschoben sich hundert Stimmen bei einer Abstimmung im September 2024. In St. Gallen musste ein Wahlresultat korrigiert werden, da die FDP nicht vier Sitze gewonnen hatte wie angenommen, sondern einen verloren.
Ein bekanntes Beispiel sind die nationalen Wahlen im Herbst 2023 in der Schweiz, bei denen fälschlicherweise angenommen wurde, dass die Mitte die FDP überholt habe. Dies resultierte aus einer fehlerhaften Programmierung beim Import kantonaler Daten.
Diese Vorfälle haben Zweifel am Selbstverständnis der Schweizer Präzision geweckt. In Appenzell Innerrhoden wird die Panne als “menschliches Fehlverhalten” eines Mitarbeiters eingestuft. Eine Verwarnung unter Androhung einer Kündigung im Wiederholungsfall steht bevor. Die “Appenzeller Zeitung” hat die Daten gelöscht und bestätigt schriftlich, keine weitergegeben zu haben. Es entstand kein Schaden an Personen, jedoch am Ruf des Kantons.