Der Schweizerische Arbeitgeberverband hat eine Diskussion über die Praxis der Teilzeitarbeit angestoßen. Severin Moser, seit Juni 2023 dessen Präsident, plädiert dafür, weniger «Lifestyle-Teilzeit» zu fördern, um dem drohenden Arbeitskräftemangel entgegenzuwirken.
Moser, der zusätzlich als OK-Präsident der Schweizer Leichtathletikmeisterschaft 2024 fungiert und früher Spitzensportler war, äußerte sich gegenüber SRF News zum Thema Arbeitszeit. Trotz einer historischen Reduktion von 48 auf rund 42 Stunden pro Woche sieht er die Notwendigkeit, die Gesamtarbeitszeit inklusive Ferienwochen zu betrachten.
Der Begriff «Lifestyle-Teilzeit» ist in Deutschland entstanden und zielt darauf ab, den Anspruch auf Teilzeitarbeit zu verringern. In der Schweiz gibt es solch einen Anspruch nicht, stattdessen regeln Arbeitsverträge die Angelegenheit.
Moser betont: Angesichts eines Fachkräftemangels, der bis in zehn Jahren 500.000 Arbeitskräfte fehlen lassen könnte, ist Teilzeitarbeit für viele Unternehmen ein Mittel, um Bewerber zu finden. Oftmals werden Stellen mit reduzierter Wochenarbeitszeit ausgeschrieben.
Laut Mosers Analyse reduzieren vor allem Personen über 50 Jahre ihr Arbeitspensum freiwillig zur Freizeitvergrößerung, nicht aus familiären oder gesundheitlichen Gründen. Gegenargumente besagen jedoch, dass viele aufgrund von Belastungen und Stress diese Entscheidung treffen.
Moser räumt ein: Der Arbeitsstress hat zugenommen; die Ursachen liegen neben der Arbeit im digitalen Stress durch ständige Erreichbarkeit. Als Lösungsansätze schlägt er Gesundheitsmanagement vor, um den Stress zu bewältigen.
Als konkrete Maßnahmen fordert Moser eine finanzielle Anreizsetzung für Mehrarbeit und eine Reduktion von Fehlanreizen durch tiefere Grenzabgaben. Die Gewerkschaften hingegen setzen auf weniger Zeitdruck, mehr Personal und Schutz der psychischen Gesundheit.
Moser betont die Notwendigkeit einer individuellen Analyse für Unternehmen unter dem Druck des Wettbewerbs. Man müsse spezifische Lösungen entwickeln, da nicht immer zusätzliches Personal eingestellt werden kann.
Das Interview führte Karoline Arn im Rahmen des Tagesgesprächs am 1. Mai 2026 um 13:00 Uhr.