Die Diskussion um Atomwaffen ist weltweit stark gespalten. Eine wachsende Zahl von Staaten sieht in Nuklearwaffen ein existenzielles Risiko für die Menschheit, während eine bedeutende Minderheit von über vierzig Ländern, einschließlich vieler europäischer Nationen, Atombomben als essentielle Sicherheitsgarantie betrachtet. Dies führt zu einer Zunahme sowohl der Anzahl als auch der Leistungsfähigkeit solcher Waffen. Aktuelle Daten offenbaren beeindruckende und zugleich beunruhigende Zahlen: Derzeit existieren weltweit 9.745 einsatzbereite Atomwaffen, deren zerstörerische Kraft mit 135.000 Hiroshima-Bomben vergleichbar ist. Der jüngste Bericht des «Nuclear Weapons Ban Monitor» zeigt zudem an, dass immer mehr dieser Waffen kurzfristig eingesetzt werden könnten. Alistair Burnett von Ican, der Friedensnobelpreisgekrönte Kampagne gegen Atomwaffen, betont: «Es existiert kein einziges gültiges Abkommen zur atomaren Rüstungskontrolle mehr.» Das letzte relevante Abkommen, New Start zwischen den USA und Russland, ist im Februar ausgelaufen ohne Nachfolger. Folglich gibt es keine verbindlichen Obergrenzen für die Anzahl von Atombomben. Grethe Lauglo Ostern, Herausgeberin des Berichts, warnt: «Die Gefahr der Eskalation von Konflikten zu Atomkriegen steigt an.» Hans Kristensen vom Föderation Amerikanischer Wissenschaftler, einer der führenden Experten auf dem Gebiet der Nuklearrüstung, spricht sogar vom «Ende der Ära atomarer Abrüstung». Während eine wachsende Mehrheit von Ländern sich zum UNO-Atomverbotsvertrag bekennt – besonders in Afrika und Lateinamerika, wo sie diese Waffen als Bedrohung für die Menschheit sehen – unterstützen in Europa nur Österreich, Irland, Malta, der Vatikan, San Marino und Liechtenstein dieses Abkommen. Die Schweiz bleibt distanziert. Keine der neun Atommächte hat das Atomwaffenverbot unterzeichnet; alle, ausgenommen Israel, bauen ihre Arsenale sogar weiter aus – China tut dies besonders intensiv. Diese Länder modernisieren bestehende Waffen oder haben Pläne für eine nukleare Aufrüstung, wie Frankreich. Die Bedeutung von Atomwaffen wird auch in Allianzen, einschließlich aller Nato-Staaten, wieder stärker betont. In Europa wird sogar die Idee einer europäischen Atombombe diskutiert, da sich das Vertrauen auf Washington schwächt. Zudem stehen die heutigen Atommächte einander feindlicher gegenüber als noch vor kurzem, was die Risiken weiter erhöht. Hans Kristensen stellt fest: «Anhänger einer atomwaffenfreien Welt werden zunehmend als naiv und lächerlich dargestellt.»