Während einer Wanderung durch Sabi Sands legt man die Sicherheit des Fahrzeugs ab und gewinnt ein neues Verständnis für die Natur. Brendan, ein junger Ranger mit einem Gewehr auf dem Rücken, führte eine Gruppe aus Touristen, darunter ein Mädchen, durch das Dickicht. Neben ihm kniete Observe, dessen Vorfahren dieses Land schon lange vor den heutigen Reservaten bewohnten. Er sprach die mündliche Sprache Shangaan und hatte Brendan in diesem Wissen unterwiesen.
Während der Exkursion zeigte Brendan uns Nashornspuren im Sand: “Dieser Zehennagel ist besonders auffällig”, erklärte er, während seine Finger den Abdruck markierten. Observe wies auf Elefanten- und Hyänenabdrücke hin, die eine Geschichte von nächtlichen Wanderungen und Fressgewohnheiten erzählten.
In den Tagen zuvor hatten wir Pirschfahrten vom Dulini River Camp unternommen, das sich an einer Biegung des Sand Rivers befindet. Nachts waren Geräusche von Elefanten im Flusswasser zu hören, eine stille Zeugenschaft der nächtlichen Aktivität.
Als wir Nashornspuren folgten, erklärte Brendan die Unterschiede zwischen den Fährten verschiedener Tiere: “Der Hinterfuss eines Elefanten ist kleiner als der Vorderfuss.” Weiterhin stießen wir auf Insektengräben und lernten, wie sie uns helfen können, die Aktivitätszeit von Nashörnern einzuschätzen.
Die Natur hier folgt ihrer eigenen Ordnung: Akazien mit Dornen schützen sich vor Impalas mit langen Wimpern. Die Bäume am Fluss wachsen weiter, während höher gelegene bereits kahl sind. Observe entdeckte eine Schlangenhaut in den Feigenwurzeln und erklärte deren Bedeutung.
An einem Marula-Baum beobachteten wir einen Drongo mit Hilfe eines technisch fortgeschrittenen Fernglases, das jede Vogelart erkennen konnte. Später fanden wir ein Nashorn im Gegenlicht – ohne Horn, da es von Wilderern geopfert wurde, um sein Leben zu schützen.
Brendan erklärte uns die Anpassung der Tiere an menschliche Präsenz: Leoparden lernen über Generationen hinweg, sich in der Nähe von Fahrzeugen sicher zu fühlen. Doch jede neue Generation bringt auch Unsicherheit mit sich, sodass das Vertrauen stets neu aufgebaut werden muss.
Am nächsten Morgen wurden wir Zeuge einer unerwarteten Szene: Ein Leopardenmuttertier war in ein privates Gebäude im Reservat eingedrungen. Brendan erklärte ruhig die Situation, während sich das Tier unbekümmert von den Menschen zeigte.