Die Axpo hat ihre rechtlichen Schritte gegen zwei Wissenschaftler eingestellt, denen sie vorgeworfen hatte, dem Energiekonzern unzureichende Transparenz in der Risikobuchhaltung von Energiederivaten vorzuwerfen. Die Klage war erfolglos geblieben.
Die Vorwürfe kamen von Karl Frauendorfer, emeritierter Professor an der Universität St. Gallen, und Robert Gutsche, Professor für Data Science an der Berner Fachhochschule. Beide hatten in Diskussionspapieren behauptet, dass die Axpo über Jahre hinweg riskante und teilweise spekulative Geschäfte mit Energiederivaten getätigt habe. Die damit verbundenen Risiken seien intern über Tochtergesellschaften weiterverrechnet worden, wodurch das Handelsgeschäft in der Bilanz profitabler erschienen sei, als es tatsächlich war.
Nach einem Bericht der NZZ im Januar 2025 reagierte die Axpo mit einer 50-seitigen Strafanzeige wegen übler Nachrede und Wettbewerbsverstößen gegen die beiden Professoren. Das Unternehmen sah sich in seiner Ehre verletzt und bemängelte wirtschaftliche Schäden.
Wie Tamedia berichtete, zog Axpo die Anzeige wieder zurück. Im Fall von Frauendorfer hatte das Bundesgericht entschieden, dass keine “minimale Hinweise” für ein strafbares Verhalten bestünden; die Staatsanwaltschaft St. Gallen stellte daraufhin das Verfahren ein. Axpo gab ebenfalls die Klage gegen Gutsche auf, nachdem ein Ausstandsbegehren gegen den zuständigen Staatsanwalt eingereicht wurde.
Axpos Sprecher Martin Stucki erklärte, dass weder das Bundesgericht noch die Anklagekammer inhaltlich entschieden hätten. Die Klage sei nach sorgfältiger Abwägung zurückgezogen worden, um zukünftige Konflikte im Dialog lösen zu können. Der Konzern behält sich jedoch vor, bei falschen Vorwürfen rechtlich vorzugehen.
Seit Jahren weist Axpo die Kritik von Frauendorfer zurück und kritisiert dessen Methodik als nicht nachvollziehbar. Es wurde moniert, dass er praxisferne Modelle und unrealistische Annahmen verwendete, die internationalen Rechnungslegungsstandards widersprächen. 2024 ließ Axpo Frauendorfers Methodik von Thorsten Hens, einem Finanzprofessor der Universität Zürich, überprüfen, der eine solide Wirtschaftsführung und korrekte Buchführung bestätigte. Der Konzern verweist zudem auf externe Prüfungen seiner Geschäftsführung aus 2023 sowie die jährliche Testierung der Geschäftsberichte durch Revisoren.