In wenigen Wochen wird Karl Egloff im Basislager des Mount Everest auf 5300 Meter über Meer warten, in der Hoffnung, dort seine Chance zu ergreifen. Nur einige Zelte entfernt wird sich Tyler Andrews befinden, ebenfalls mit dem Ziel vor Augen: Den Speed-Rekord am höchsten Gipfel der Welt aufzustellen. Beide ambitionierten Alpinisten streben danach, die Strecke vom Basislager zum 8848 Meter hohen Everest-Gipfel und zurück in unter 24 Stunden zu bewältigen – ohne den Einsatz von Flaschensauerstoff.
Egloffs Versuch ist eine Revanche gegen das vergangene Frühjahr, als Netflix ihren Wettkampf im Streamingformat ausstrahlte. Der Schweizer Egloff, der in Ecuador aufgewachsen ist und sich durch seine Erfahrung an hohen Bergen auszeichnet, plant, den FKT (Fastest Known Time) am Everest zu erreichen. Er hat bereits Rekorde am Makalu, Kilimandscharo, Elbrus, Denali und Aconcagua aufgestellt. Sein Ziel sind die Seven Summits – bis auf Carstensz-Pyramide in Ozeanien und Mount Vinson in der Antarktis.
Andrews, ein ehemaliger Marathonläufer aus Amerika, hält den FKT am Manaslu. Beide hatten bereits im letzten Jahr versucht, den Everest-Speed-Rekord zu brechen, scheiterten jedoch aufgrund von Wetterbedingungen und schlechter Vorbereitung seitens Egloffs. Erst kürzlich hat er intensives Training absolviert, um die extremen Höhenbedingungen zu simulieren.
Im letzten Jahr hatte der Wettkampf zwischen den beiden Bergsteigern für Egloff Belastung bedeutet: Andrews’ Sticheleien und das unerwartete Kopf-an-Kopf-Rennen belasteten ihn. Im vergangenen Frühjahr versuchte Andrews überraschend noch einmal, was Egloffs Team irritierte. In den darauffolgenden Monaten griff Andrews Egloffs Rekordzeiten an anderen Bergen an.
Egloff hat sich mittlerweile entschieden, die Rivalität zu ignorieren und einen Schutzpanzer um sich gebildet. Für ihn sind Speed-Besteigungen vor allem ein Kampf gegen sich selbst, wobei Sicherheit das oberste Gebot ist. Begleitet wird er von seinem langjährigen Freund und Partner Nicolas Miranda.
Andrews hingegen betont seine Faszination für Weltrekorde, auch wenn er früher bereits mit Flaschensauerstoff abgestiegen ist. Egloff bleibt bei seiner puristischen Herangehensweise – ohne zusätzliche Ausrüstung.
Egloff hat aus seinem letzten Scheitern viel gelernt und sich für den neuen Anlauf intensiv vorbereitet, um die Herausforderungen der Höhe zu meistern. Trotz des Drucks durch seine Rivalität bleibt er fokussiert auf seinen Traum vom Everest: ein schöner Tag am Berg unabhängig von Andrews oder anderen Bergsteigern. Schon als Kind träumte Egloff davon, den höchsten Gipfel der Welt zu besteigen – und das will er nun verwirklichen.