Im deutschen Südwesten zieht sich der Wahlkampf in die Länge, besonders beim Ringen um ein grün-schwarzes Bündnis. Die Christlichdemokraten fordern dafür einen hohen Preis, nachdem sie im Wahlkampf von den Grünen angegriffen worden seien. Die Gespräche zwischen der CDU und den Grünen über eine Koalition in Baden-Württemberg kommen nur schleppend voran. Zum zweiten Mal seit der Wahl am 8. März trafen sich die Parteiführungen am Dienstag in Stuttgart, um zu sondieren, ob genug gemeinsame Themen für formelle Verhandlungen bestehen. Am Mittwoch sollen diese Gespräche fortgesetzt werden. Seit 2016 regieren CDU und Grüne zusammen. Eine Alternative gibt es nicht: Obwohl die AfD eine rechnerische Mehrheit bieten könnte, schloss der CDU-Spitzenkandidat Manuel Hagel jegliche Kooperation mit dieser Partei aus. Die Christlichdemokraten drängten jedoch bislang nicht auf ein Bündnis. Die zögerliche Haltung der CDU hat zwei Gründe: Zum einen ist das Wahlergebnis knapp. Obwohl die Grünen unter Cem Özdemir in einer fulminanten Aufholjagd vor der CDU landeten, haben beide Parteien im Landtag gleich viele Sitze. Daher fordert die CDU ein stärkeres Gewicht in der neuen Regierungskonstellation. Sie möchte fünf Ministerien für sich beanspruchen und den Grünen nur sieben zubilligen. Die Christlichdemokraten wollen, dass die Koalition stärker ihre Handschrift trägt. Özdemir sprach nach dem Treffen von einer Reformkoalition auf Augenhöhe. Hagel betonte, die neue Regierung müsse ambitioniert sein und nicht lediglich das Altbekannte wiederholen. Der Groll in der CDU ist tief verwurzelt; man fühlt sich um den Wahlsieg betrogen und verdächtigt die Grünen, bewusst unter Hagels Gürtellinie gezielt zu haben. Ein Interview aus dem Jahr 2018, das kurz vor der Wahl wieder aufgegriffen wurde und in dem Hagel über eine minderjährige Schülerin sprach, hatte den CDU-Kandidaten belastet. Özdemir soll sich bei Hagel entschuldigt haben lassen. Bewegung in die Gespräche brachte auch die wirtschaftliche Lage durch den Iran-Konflikt, der ein schnelles Regierungshandeln erforderlich macht. Es wurde spekuliert, dass die CDU auf ein Scheitern der Verhandlungen hinarbeitet, um Neuwahlen zu erreichen. Sollte bis zum 12. Mai kein Ministerpräsident gewählt werden können, wäre eine Auflösung des Landtags und Neuwahlen im Herbst die Folge.