Das Biopic «Michael» beleuchtet den beeindruckenden Werdegang des singulären Superstars und dessen Konflikte mit seinem strengen Vater. Das Thema Kindsmissbrauch wird allerdings nicht thematisiert.
Es erinnert an Ola Ray, die 1983 im legendären «Thriller»-Videoclip auftrat. Ihre Unsicherheit, ob der in ihr verliebte Michael ein sanfter Partner oder ein Monster war, spiegelt sich auch heute wider. Das neue Biopic von Regisseur Antoine Fuqua bringt «Thriller» wieder ins Gedächtnis. Der Film wird als cineastisches Ereignis beworben und zeigt die intensive Inszenierung des Videos.
Das Reenactment des «Thriller»-Videos zeigt eine energiegeladene Zombie-Horde, die von einem strengen Perfektionisten korrigiert wird – hier Michael Jackson in seiner Rolle als disziplinierender Star. Die Authentizität der Szene verdankt sich unter anderem Jaafar Jackson, dem Sohn des Bruders Jermaine, dessen Darstellung an seinen berühmten Onkel erinnert.
Während die filmische Leistung von Michael Jackson als Hauptfigur der Jackson Five und späterer Solostar gefeiert wird, bleiben seine dunkleren Lebensbereiche unangetastet. Der Film ist Teil eines geplanten Zweiteilers, doch Produzent Graham King hat bereits signalisiert, dass zukünftige Teile auch die Missbrauchsvorwürfe berücksichtigen werden.
Das «Michael Jackson Estate» und einige Geschwister als Co-Produzenten scheinen mehr an einer Revitalisierung des Star-Kults interessiert zu sein. Ein kritischer zweiter Teil über die Vorwürfe ist unwahrscheinlich.
Trotz vorab gedrehter Szenen mit Evan Chandler, Vater eines mutmaßlichen Opfers, mussten diese aufgrund von Vereinbarungen herausgeschnitten werden. Die Entscheidung lässt vermuten, dass der Film den Star idealisiert und Kritik überdeckt.
Die Handlung folgt der Chronologie der Jackson Five bis zu Michael Jacksons Solokarrierebeginn 1984. Der Film fokussiert auf das komplizierte Verhältnis zwischen Michael und seinem autoritären Vater, dargestellt von Colman Domingo. Trotz Erfolgen bleibt die Spannung bestehen.
Musikalische Höhepunkte wie «Thriller», «Beat It» und «Billie Jean» sind prominent vertreten, wohingegen der kreative Prozess kaum gezeigt wird. Michael Jacksons Triumph gegen seinen Vater wird auch durch seine Beziehungen zu weissen Managern ermöglicht, was den Eindruck einer Rassenschrankenüberwindung verstärkt.
Das Biopic verklärt Jackson als talentierten und freundlichen Menschen, doch die Tragik seiner Isolation kommt in der Darstellung seiner tierischen Begleiter zum Ausdruck. Der Film inszeniert diese Momente teils parodistisch und bietet trotzdem kinematografische Faszination.
«Michael» läuft im Kino (127 Minuten).