Die jüngsten Wahlen in den 13 Zürcher Parlamentsgemeinden signalisieren einen möglichen Aufstieg bürgerlicher Parteien im Kantonsrat. Diese lokalen Abstimmungen gelten als wichtiger Vorbote für die kantonalen Wahlen, die nächstes Jahr anstehen.
Nach einer Phase des Rückschlags erlebt die SVP wieder einen Aufschwung. In den vergangenen Wahlen in Gemeinden wie Zürich, Kloten und Adliswil konnte sie 16 Sitze gewinnen. Die SP verbuchte ebenfalls Erfolge mit 13 neuen Mandaten.
Die Grünliberalen, die Grünen und die EVP stehen dagegen vor Herausforderungen, da alle drei Parteien der sogenannten Klima-Allianz zugehören, die seit den Wahlen 2018 ökologische Themen in Zürich prägt. Diese Allianz hat jedoch Stimmen verloren.
Eine direkte Übertragung der Sitzverschiebungen von kommunaler auf kantonale Ebene ist problematisch. Unterschiede in den Gemeindegrößen und -strukturen sowie die fehlende Berücksichtigung ländlicher Gebiete, die eine eigene Wahlkultur haben, machen es schwierig.
Trotzdem bieten die kommunalen Wahlen durchaus Einblicke. So wären die Sitzverluste der SVP und FDP im Jahr 2018 sowie das Ergebnis von SP, FDP und Grünen bei den Wahlen 2023 mit einem Blick auf die Gemeindeergebnisse vorhergesagt worden. Die Prognose für die Grünliberalen und AL war jedoch ungenau.
Die Korrelation zwischen kommunalen und kantonalen Wahlen könnte darin begründet liegen, dass die Agglomeration einen repräsentativen Querschnitt der Zürcher Wählerschaft bildet. Übertragen auf den Kantonsrat würde sich ein Bild ergeben: SVP, FDP und Mitte würden zulegen, während Grünliberale, AL und Grüne Sitze verlieren würden.
Allerdings bedarf es einer Anpassung dieser Prognosen. Die Mitte ist in den Gemeindeparlamenten überschätzt, was zu unrealistischen Zugewinnen führt. Die SVP könnte ihren Aufwärtstrend unterschätzen; derzeit halten die bürgerlichen Fraktionen genau die Hälfte der 180 Sitze im Kantonsrat.
Die Polarisierung nimmt generell zu, und der Stadt-Land-Graben vertieft sich. Während SVP und SP in verschiedenen Gemeindetypen unterschiedlich abschneiden – SP überdurchschnittlich in Zürich und Winterthur, die SVP stark in Agglomerationen und regionalen Zentren – verlieren Grünliberale vor allem in der Agglomeration.
Die Linke hält in städtischen Gebieten wie Zürich und Winterthur eine Mehrheit. In anderen Gemeinden überwiegen die bürgerlichen Parteien oder die Blöcke halten sich die Waage. Ein Blick von Zürich nach Dübendorf verdeutlicht, dass Agglomerationsgemeinden eher bürgerlich geprägt sind.
Trotz des Trends hin zu einer stärkeren bürgerlichen Ausrichtung bleibt abzuwarten, wie sich die politische Landschaft bis zum nächsten Wahltermin entwickelt. Weltweite Ereignisse könnten die aktuelle Dynamik beeinflussen.