Nicole Minetti, ehemalige Vertraute von Silvio Berlusconi, wurde wegen Betrugs und Beihilfe zur Prostitution verurteilt. Staatspräsident Mattarella begnadigte sie aus humanitären Gründen. Nun wachsen Zweifel an ihrer Geschichte.
Berlusconis Andenken ist geprägt von Verständnis, Respekt und Milde – Eigenschaften, die insbesondere seine rechte politische Anhängerschaft hervorhebt. Die wilden Zeiten der 2000er Jahre mit den Begriffen “Bunga-Bunga” oder “cene eleganti” scheinen wieder aktuell.
Im Mittelpunkt steht Nicole Minetti, Berlusconis ehemalige Dentalhygienikerin und Regionalabgeordnete in der Lombardei. Sie spielte eine Schlüsselrolle im Prozess um die Nachtklubtänzerin Karima El Mahroug (Ruby Rubacuori). Im November 2022 wurde sie wegen Beihilfe zur Prostitution und Spesenbetrugs verurteilt, musste jedoch keine Haftstrafe verbüßen.
Im Jahr 2025 beantragte Minetti über ihre Anwälte eine Begnadigung bei Staatspräsident Mattarella, da sie sich um ihr pflegebedürftiges Adoptivkind aus Uruguay kümmern müsse. Das Justizministerium unterstützte das Gesuch nach üblicher Prüfung der Unterlagen.
Kurz nach der Begnadigung durch Mattarella stellten Recherchen des “Fatto Quotidiano” die Richtigkeit von Minettis Angaben in Frage: Das Kind sei nicht verwaist. Der Staatspräsident forderte daraufhin das Justizministerium zur Klärung auf.
Daraufhin wurden Vorwürfe laut, dass Justizminister Carlo Nordio die Begnadigung zu Gunsten der Berlusconi-Kreise empfohlen haben könnte. Das Ministerium hat nun den Ball an die Justizbehörden weitergegeben, welche die Begnadigung befürworteten.
Zweifel bestehen besonders wegen fehlender Abklärungen in Uruguay und Unregelmäßigkeiten im Adoptionsverfahren. Minettis Beziehung zu Giuseppe Cipriani, einem Angehörigen der Hoteldynastie des Harry’s Bar, sowie seine Erwähnung in den Epstein-Files sorgen für zusätzliche Aufmerksamkeit.
Giorgia Meloni unterstützt Nordio vorerst, obwohl sie eine härtere Gangart angedeutet hatte. Nordios Amtszeit seit Anfang 2025 ist von Skandalen geprägt: Versagen bei der Freilassung eines mutmaßlichen Kriegsverbrechers und Personalprobleme im Ministerium.
Sollte ein Fehlverhalten in dem Fall bestätigt werden, könnte Nordios politische Karriere gefährdet sein. Melonis Devise lautet: “Wer einen Fehler macht, fliegt raus” – Milde ist derzeit nicht angesagt.