Am Freitag herrschte eine ungewöhnliche Atmosphäre, als drei Bundesräte und 14 Chefbeamte im Medienzentrum versammelt waren, um sich vorübergehend von den EU-Vertragsverhandlungen abzumelden. Die Regierung übergibt nun das Mandat an das Parlament. “Der Bundesrat ist nicht mehr federführend”, erklärte Aussenminister Ignazio Cassis, der das Dossier leitete.
Anstatt aufbruchsstimmungsvoll oder euphorisch zu wirken, zeigte sich Cassis eher erleichtert über den Abschluss dieser Angelegenheit. Der FDP-Politiker schien zufrieden darüber, dieses Thema endlich vom Tisch haben zu können. Es ist unwahrscheinlich, dass das Dossier je wieder in seinen Zuständigkeitsbereich zurückkehrt. Die Anzeichen deuten auf einen Abschied von Cassis hin.
Cassis hat bereits seine Schlüsselmitarbeiter neu positioniert, darunter Generalsekretär Markus Seiler, der nun Botschafter in Kanada wird, und Cédric Stucky, sein persönlicher Mitarbeiter, dem laut SonntagsBlick ein Botschafterposten in Singapur ab 2028 versprochen wurde.
In Bern rechnet man damit, dass Cassis, der dieses Jahr seinen 65. Geburtstag feiert, seinen Sitz spätestens bei den Gesamterneuerungswahlen 2027 räumt, möglicherweise sogar früher. Die beiden FDP-Sitze in der Regierung sind gefährdet. Überholt die Mitte die FDP bei den Wahlen 2027, ist der zweite Sitz bedroht. Eine frühzeitige Erneuerung mit einer neuen Kraft könnte hier von Vorteil sein.