Ein historisches Juweliergeschäft auf der Zürcher Bahnhofstrasse zieht die Schotten dicht: Die Chronometrie Beyer, ein traditionsreiches Unternehmen mit einer Geschichte von 266 Jahren, schliesst Ende Jahr. Der Grund: Das Fehlen einer familieninternen Nachfolge. René Beyer, langjähriger Patron und Inhaber in siebter Generation, verstarb im April 2025; seine Schwester Muriel Zahn-Beyer übernahm daraufhin die Geschäftsführung, hatte jedoch keine eigenen Kinder, um das Erbe fortzuführen. Dies führte zur Entscheidung, den Verkauf an Patek Philippe zu tätigen.
“Mein Bruder hat sich frühzeitig mit der Zukunft des Unternehmens auseinandergesetzt”, erklärt Zahn-Beyer gegenüber der NZZ. Die Partnerschaft mit Patek Philippe sei die logische Weiterführung einer langjährigen Zusammenarbeit. Bereits 2024 erwarb Patek Philippe eine Minderheitsbeteiligung an Beyer.
Der Verkauf ermöglicht es, den Multimarken-Bereich aufzugeben und stattdessen die bestehende Patek-Boutique zu einem umfassenderen Salon auszubauen. Dies sichert etwa ein Drittel der Belegschaft ihren Arbeitsplatz, da 25 Mitarbeitende in diesem Bereich übernommen werden. Die übrigen rund 35 Mitarbeitenden erhält Unterstützung bei der Stellensuche, wobei die Kommunikation neun Monate vor Schliessung erfolgte.
Für Patek Philippe bietet sich eine attraktive Verkaufsfläche ohne den Bedarf eines neuen Standorts. Das Gebäude an der Bahnhofstrasse erstreckt sich über drei Stockwerke und rund 600 Quadratmeter, inklusive Museum – es gehört der UBS.
Es ist ungewiss, ob Patek Philippe selbst einen Ausbau in Zürich geplant hatte; das Unternehmen besitzt jedoch bereits Präsenzen an strategischen Orten wie Genf, Paris und London. Mit dem neuen Salon kommt nun ein vierter Standort hinzu. Eine Fortführung von Beyer als unabhängiger Händler wäre riskant gewesen, da die Zusammenarbeit mit Rolex und Patek Philippe essentiell ist.
Beide Uhrenhersteller haben ihre Kontrolle im Vertrieb verstärkt und reduzieren die Anzahl an Verkaufspartnern. Eine unabhängige Fortführung hätte das Risiko bedeutet, diese wichtigen Partnerschaften zu verlieren. Der Kauf durch Patek Philippe sichert Beyer eine gewisse Kontinuität.
Neben der Zusammenarbeit mit Patek Philippe pflegt Beyer auch enge Bande zur Rolex-Familie. Eine Übernahme durch Rolex schied als Option aus, da der Konzern 2023 bereits die Bucherer-Gruppe erwarb.
Das Uhrenmuseum im Untergeschoss bleibt in Familienbesitz und zählt zu den bedeutendsten Sammlungen weltweit mit über 12.000 Besuchern pro Jahr. Muriel Zahn-Beyer sucht derzeit nach einem neuen Standort, bevorzugt in Zürich.