Clara Streit, eine führende Persönlichkeit der deutschen Wirtschaft, betont in einem Interview die Bedeutung nachhaltiger Ziele für Unternehmen und deren Grenzen. Als einflussreiche Spitze von Kontrollgremien zweier Dax-Konzerne sowie Vorsitzende der Regierungskommission Deutscher Corporate-Governance-Kodex, zeigt sie sich überzeugt, dass trotz des Rückzugs in den USA nachhaltige Prinzipien weiterhin relevant sind.
Clara Streit legt Wert auf Einfluss statt öffentliche Aufmerksamkeit. Ihr Antrieb sei es, Unternehmen langfristig erfolgreich zu machen, indem sie ihre Strategien unterstützt. Als ehemalige Beraterin bevorzugte sie indirekte Beeinflussung und schätzt den Erfolg anderer, den sie mitgeprägt hat.
In ihren Rollen bei der Deutschen Börse und Vonovia sieht sich Streit sowohl als Kontrolleurin als auch als Unterstützerin. Sie betont die Bedeutung eines proaktiven Aufsichtsrats, der Strategien nicht nur überwacht, sondern mitgestaltet.
Ein guter Aufsichtsrat versteht das Unternehmen tiefgehend und erkennt seine Rolle als Ergänzung zum Management an. Streit legt Wert darauf, dass Kandidaten sich konstruktiv in Teams einbringen wollen.
Die Größe eines Aufsichtsrats variiert je nach Unternehmenskomplexität, wobei größere Gremien bei stark regulierten Unternehmen notwendig sind. Trotz Herausforderungen in der Auswahl geeigneter Kandidaten sieht sie keine grundlegenden Probleme.
Ihr Arbeitsaufwand ist vergleichbar mit Vollzeitbeschäftigung, was insbesondere in Krisenzeiten von Bedeutung ist. Streit interagiert regelmäßig mit Vorständen und widmet sich neben Dokumenten auch komplexen Rechtsfällen.
Sie sieht im Vergleich zu anderen Ländern keine gravierenden Unterschiede, wenn es um aktive Rollen geht. Auch die deutsche Praxis, Arbeitnehmer in Aufsichtsräten stark zu vertreten, funktioniert gut, sofern ein gemeinsames Teamverständnis besteht.
Streit hält am aktuellen Corporate-Governance-Kodex fest, sieht jedoch Potenzial für Vereinfachungen in der Zukunft. Sie kritisiert die übermäßige Ausführlichkeit von Vergütungsberichten und plädiert für Kürze und Verständlichkeit.
Trotz amerikanischen Drucks zur Änderung in den Bereichen Nachhaltigkeit und Diversität, bleibt Streit diesen Prinzipien treu. Sie betont die Wichtigkeit einer gesunden Balance bei der Auswahl von Gremienmitgliedern, ohne auf das Leistungsprinzip zu verzichten.
Unternehmen sollten sich den jeweiligen rechtlichen Rahmenbedingungen anpassen und können dabei unterschiedliche Herangehensweisen in verschiedenen Ländern wählen. Streit sieht keinen Zielkonflikt zwischen finanziellen und nachhaltigen Zielen, solange die Unternehmensziele nicht extern vorgegeben werden.
Sie hebt hervor, dass auch ökonomische Vorteile durch hohe Mieterzufriedenheit oder reduzierten CO2-Ausstoß erzielt werden können. Die Regierung wird dabei unterstützen, ohne detaillierte Vorschriften zu machen.