Ein bemerkenswerter Wandel zeichnet sich im politischen Wirken von Daniel Leupi, dem Grünen-Stadtrat Zürichs ab. An einem warmen Frühsommertag des Jahres 2025 tritt er vor die Mitglieder seiner Partei in der Photobastei und wechselt öffentlich die Fronten. Die Debatte dreht sich um die Unterstützung einer SP-Initiative für ermäßigten ÖV, deren Finanzierung den Mittelstand belastet.
Leupi, seit 2010 im Stadtrat und seit 2013 als Finanzvorsteher tätig, warnt eindringlich vor der drohenden Verschuldung. Er prognostiziert finanzielle Probleme für die Stadt in den 2030er Jahren. Diese Warnungen stoßen jedoch auf Unverständnis bei jüngeren Parteimitgliedern; sie folgen letztendlich doch der SP.
Die Präsentation der Stadtrechnung durch Leupi am darauffolgenden Dienstag ruft heftige Kritik von linken Kreisen hervor. Obwohl er im Vorjahr 300 Millionen Franken in preisgünstigen Wohnraum investierte, reicht dies den Linken nicht aus. Rechts gibt es ohnehin schon Widerstand gegen Leupis Ablehnung jeglicher Steuersenkung trotz Rekordüberschüssen.
Seit 2010 im Stadtrat und bald amtsältester Vertreter nach dem Rücktritt von Corine Mauch und André Odermatt, ist Leupi ein erfahrener Politiker mit Wurzeln in Luzern. Sein Engagement bei Pro Velo brachte ihn zu den Grünen.
Als Finanzvorsteher hat er die Ausgaben der Stadt Zürich von 8 auf fast 11 Milliarden Franken gesteigert, stärker als die Bevölkerungszunahme. Seine Politik ist geprägt von Investitionen in den Standort. Jedoch zeigt sich im Budget 2023 ein problematischer Selbstfinanzierungsgrad.
Die Verschuldung steigt seit 2022 stark an: von unter 5 Milliarden auf 7,2 Milliarden Franken bis 2025 und prognostizierte 16 Milliarden im Jahr 2029. Trotz Rekordsteuererträgen von über vier Milliarden Franken entstehen Schulden durch hohe Investitionen in Infrastruktur.
Linken Parteien erscheint die hohe Steuerkraft als Zeichen der Verdrängung geringerer Einkommen. Sie fordern Mittelstandssubventionen, was Leupi skeptisch beurteilt. Seine Warnungen vor einer Überforderung in Rezessionszeiten bleiben ungehört; die SP-Initiativen werden angenommen.
Kritik aus den eigenen Reihen folgt: Dominik Waser wirft ihm mangelndes Verständnis für finanzielle Nöte der Bevölkerung vor. Leupi wird zum Bremser, der notwendige Ausgaben einschränken will. Er kündigt eine Reduktion der Investitionen auf 1,5 Milliarden Franken pro Jahr an und verspricht im Herbst einen klaren Prioritätenplan.
Die linke Kritik wird nicht ausbleiben, da der grüne Finanzvorsteher nun als Hauptgegner linker Forderungen wahrgenommen wird.