Zwei von vier Männern in der Schweiz gelten als übergewichtig. Doch wie fühlt es sich an, einem gesellschaftlichen Ideal zu entsprechen, das man nicht erfüllt? Diese Frage stellte zentralplus bei Übergewichtigen in Luzern.
Werbung zeigt oft nur athletische Männer, die luxuriöse Lebensstile repräsentieren. Dicke Männer bleiben hingegen unsichtbar in den Medien und Plakaten. Trotzdem sind sie allgegenwärtig: Jeder zweite Schweizer Mann ist übergewichtig – bei Frauen betrifft es nur jede dritte.
Eine Studie der Groupe Mutuel im Auftrag von GfK zeigt, dass fast die Hälfte der Befragten sich als leicht bis stark übergewichtig bezeichnet, besonders unter älteren Männern und Westschweizern.
Während Plus-Size-Models auf Laufstegen präsent sind und Körperdiversität gefeiert wird, bleiben dicke Männer von solchen Darstellungen ausgeschlossen. Die Body-Positivity-Bewegung, die seit 2012 an Bedeutung gewonnen hat, propagiert Akzeptanz jedes Körpertyps – doch wie sieht es mit Männern aus?
Mike aus Luzern, der 30 Kilogramm weniger wünscht, kritisiert das Idealbild. Er findet Übergewicht problematisch und sieht sich selbst nicht frei von Gesundheitsrisiken. Sein Ziel ist es nicht nur gesünder zu werden, sondern auch näher am gesellschaftlichen Ideal zu sein.
Mike erlebt oft scherzhafte Bemerkungen über seinen Essenskonsum bei Freunden, die er als nützliche Erinnerung ansieht, seine Gesundheit ernst zu nehmen. Trotzdem betont er, dass es auf den Ton ankommt und manche Kommentare verletzen können.
Die Debatte um „Fatshaming“ ist kontrovers: Mike sieht darin eine Form der Fürsorge, da Freunde oder Partner*innen die Wahrheit sagen sollten. Er bevorzugt sanfte Anstöße statt Druck – wie einen Spaziergang statt Fernsehen oder Salat statt Burger.
Der Body-Mass-Index (BMI) definiert oft Körpertypen, aber Schönheitsideale ändern sich ständig, vom Sanduhrlook der 1950er bis zu aktuellen Trends. Auch Männerkörper sind diesem Wandel unterworfen: von beiläufigem Training in den 1960ern zum heutigen Fokus auf Muskeln und Definition.
Marlon, ein weiteres Interview-Subjekt, fühlt sich als „dicker Single“ diskriminiert. Auf Datingplattformen ist er oft erfolglos und erlebt, wie er nur als Begleitung für seine schlankeren Freunde gesehen wird. Er verteidigt sich mit Humor gegen Fatshaming.
Männerberater Stefan Kuster betont, dass Selbstbewusstsein und Ausstrahlung wichtiger sind als das Gewicht bei der Partnerwahl. Während physische Attraktivität eine Rolle spielt, ist es entscheidend, sich in seinem eigenen Körper wohlzufühlen.
Der Artikel wurde erstmals im Februar 2023 veröffentlicht.