Max Frisch, der 1974 auf seine Armeezeit in “Dienstbüchlein” zurückblickte, warnte mit 63 Jahren vor der Sinnlosigkeit seines Militärdienstes als Kanonier im Zweiten Weltkrieg. Tobias Amslinger beschreibt Frischs Aufzeichnungen als “Protokoll der Ereignislosigkeit aus einem Krieg ohne Schlachten”.
Obwohl das Dienstbüchlein, eingeführt 1874 nach der ersten Verfassungsrevision, oft kritisiert wurde – es repräsentierte Bürgerlichkeit und Unterordnung – war Albert Einstein zeitlebens ein treuer Anhänger. Er behielt sein Dienstbüchlein während seiner Exiljahre in den USA bei sich.
Die Schweizer Armee kündigte 2007 die Überprüfung einer elektronischen Version an, und 2023 wird das physische Büchlein durch das digitale “Dienstmanager”-System ersetzt. Marcel Dobler von Digitec trieb dieses Vorhaben voran: Das digitale Format sei schneller zu erstellen und fehleranfälliger.
Im Parlament gibt es jedoch Widerstand; für einige, wie Werner Salzmann von der SVP, ist das Dokument mehr als ein einfaches Papier – es symbolisiert den Eid aufs Vaterland. Auch “Brigadier Broccoli”, die Armeekatze des Waffenplatzes Lyss, hatte sein eigenes Dienstbüchlein, das mit ihr ins Grab ging.
Das physische Büchlein ist ein Symbol der Schweizer Identität und persönlicher Erinnerungen, obwohl es für heutige Militärangehörige wie ein Relikt wirkt. Am 1. Juni verabschiedet sich das traditionelle “DB”, ohne eine feierliche Bestattung zu erfahren – manche Exemplare sind vielleicht schon längst verschwunden, ähnlich wie Einstellungen zur Bedeutung des Dienstbüchleins variieren.