Ursprünglich war die Bewegung «Mass-Voll», gegründet von Nicolas Rimoldi, gegen die Maßnahmen zur Bekämpfung der Corona-Pandemie aktiv. Sie organisierte Proteste und beteiligte sich an Referenden über Covid-Gesetze. Doch diese Phase ist vorbei. Heute hat sich «Mass-Voll» hauptsächlich zu einem Akteur in der rechtsextremen Szene entwickelt. Dies wird durch Auftritte wie den bei einer Demonstration in St. Gallen im Februar verdeutlicht, wo Rimoldi neben Tobias Lingg, Anführer der rechten Gruppierung «Junge Tat», marschierte. SRF-Recherchen zeigen auch die Nähe zur geplanten Demo in Luzern am 9. Mai. Die Luzerner Demonstration behandelt das Verhältnis zwischen Schweiz und EU, konkret ein sogenanntes «Knechtschaftsvertrag». Bekannte rechtsextreme Organisationen haben ihre Teilnahme angekündigt. Rimoldi erwähnte Reisepläne von Gruppen aus Ungarn und Bulgarien sowie die Unterstützung durch die Nationalpartei Schweiz, eine rechtsextreme Kleinstpartei. Die «Junge Tat» ist ebenfalls vertreten; Rimoldi erklärte zu CH-Media-Zeitungen: «Wir arbeiten mit allen zusammen, bei denen wir in der Sache einig sind.» Diese Entwicklung sorgt für Unruhe in Luzern. Die SP-Lokalsektion hat eine Interpellation an die städtische Regierung gerichtet, um nachzufragen, wie diese den internationalen rechtsextremen Aufmarsch sieht. Im Internet rufen antifaschistische Gruppen zur Gegen-Demonstration in Luzern auf. Die Verbindungen von «Mass-Voll» zur rechtsextremen Szene werden durch einen Blick auf den Demo-Flyer ersichtlich: SRF entdeckte das Logo der «Schweizer Nationalisten», erkennbar an einem Keltenkreuz und schwarzer Sonne, versteckt in einer Unterebene des PDF-Dokuments. Die Schweizer Nationalisten sind eine neonazistische Gruppe aus der Obersee-Region mit Verbindungen zu mehreren Active Clubs. Sie teilen auf Telegram Bilder von Aktivitäten wie Kampfsport-Übungen, bei denen Flaggen der Neonazi-Vereinigungen «Blood & Honour» und «Combat 18» präsentiert werden. Diese Entdeckung deutet darauf hin, dass die Erstellung des Flyers einer Person nahesteht, die beiden Gruppen verbunden ist. Auch die Bildsprache liefert Hinweise auf eine Zusammenarbeit: Sowohl die Schweizer Nationalisten als auch «Mass-Voll» verwenden dieselben Symbole, Farben und Stilistiken. Extremismusforscher Dirk Baier spricht von offensichtlichen Ähnlichkeiten und vermutet bedeutende Überschneidungen zwischen den Gruppen. Der Wandel von «Mass-Voll», wie Philip Bessermann von der Stiftung gegen Rassismus und Antisemitismus feststellt, ist seit dem Abklingen der Corona-Proteste zu beobachten. Die Bewegung habe eine neue Existenzberechtigung in der rechtsextremen Nische gefunden. Baier erklärt dies durch die politische Positionierung: «Wer staatsfeindlich und nationalistisch ist, bleibt auf dem rechten Rand.» Nun stellt sich die Frage nach der Rolle von «Mass-Voll» im rechtsextremen Milieu. Bessermann sieht Potenzial in Rimoldis Bekanntheit zur Erweiterung des Publikums. Die Stadt Luzern hat bisher keine Gründe gefunden, die Demo-Bewilligung zurückzuziehen. Stadtpräsident Beat Züsli (SP) betont gegenüber SRF die Bedeutung der freien Meinungsäußerung.