Einst standen die Enkel noch auf dem Schoß und teilten ihren Tagesablauf, doch nun sind sie Teenager. Dieser Übergang stellt nicht nur Eltern vor Herausforderungen, sondern auch viele Grosseltern. Die Kinder nähern sich ihrer Unabhängigkeit an, ziehen sich zurück und die Beziehung wandelt sich.
“Man wird plötzlich in die zweite Reihe gedrängt”, erklärt Entwicklungspsychologin Pasqualina Perrig-Chiello. “Es ist notwendig, die Kommunikation anzupassen und Erwartungen zu reduzieren. Dies erfordert einen Anpassungsprozess aufseiten der Grosseltern.”
Ein Grund für diese wachsende Distanz liegt in den Entwicklungen während der Pubertät: Die Jugendlichen treffen ihre Freunde häufiger selbständig, widmen sich ihren Hobbys und sind oftmals ganztags beschäftigt.
Geraldine Capaul, Chefredaktorin des Magazins «Grosseltern», betont, dass es in diesem vollgepackten Teenager-Alltag schwieriger wird, Zeit für die Grosseltern zu finden: “Das ist ein weitverbreitetes und gänzlich natürliches Phänomen.”
Besonders heutzutage erleben Grosseltern diesen Bruch intensiver. Sie sind nämlich aktueller denn je stark engagiert, übernehmen viele Betreuungsstunden und spielen eine wesentliche Rolle als Bezugspersonen für die Enkelkinder. Entsprechend gestaltet sich der Ablösungsprozess komplexer.
Ein schleichender Übergang kann Grosseltern dennoch helfen, sich darauf einzustellen. Eltern können hierbei unterstützen, indem sie die Ablösung sanft gestalten.
Die Betreuung könnte beispielsweise von der Ganztagespflege zum gemeinsamen Mittagessen übergehen und später zu gelegentlichen Wochenendtreffen führen. “Im Idealfall ist man sich bewusst, dass dies positiv ist”, so die Expertinnen.
Die Rückbesinnung auf ihre eigene Elternzeit kann Grosseltern helfen: “Wir haben es ja schon mit unseren eigenen Kindern erlebt und bemerkt, dass sie zurückkommen.”
Entwicklungspsychologin Perrig-Chiello betont ebenfalls die Wichtigkeit einer sicheren und starken Bindung: “Frühe, langjährige positive Beziehungen halten ein ganzes Leben.”