Benjamin Schindler, ein Professor für öffentliches Recht an der Universität St. Gallen, erläutert im Interview die langanhaltende Kritik an der Polizei und betont die Notwendigkeit besserer Ausrüstung für die Korps. Trotz kontinuierlicher Vorwürfe wie Gewalttätigkeit, Rassismus oder Sexismus genießt die Polizei in Umfragen hohes Vertrauen bei der Bevölkerung. Dies wird oft übersehen.
Politiker reizen diese Thematik häufig aus, während beispielsweise die Jungsozialisten die Abschaffung der Polizei fordern – eine Forderung, die Schindler als realitätsfern betrachtet. Es gibt zwar vereinzelte Fälle von polizeilichen Fehlleistungen, doch sind diese Ausnahmen. Die gute Ausbildung und Aufsicht über die Korps tragen dazu bei.
Ein prominentes Beispiel aus Basel-Stadt zeigt, dass Überwachung der Polizei funktioniert: Ein Beamter wurde wegen Misshandlung von Asylsuchenden verurteilt, seine Kollegen suspendiert. Dennoch bleiben Strukturprobleme bestehen, die mit Entsetzen oder Forderungen nach Abschaffung nicht gelöst werden können.
Schindler widerspricht der Sichtweise, dass die Polizei zum Feindbild geworden sei. Die Kritik an der Polizei ist tief in der Geschichte der Linken verwurzelt und wird heute oft im Kontext von Rassismus diskutiert. Das homogene Erscheinungsbild der Polizei verstärkt Vorurteile, obwohl die Korps sich an Rechtsstaatlichkeit und Menschenrechten orientieren.
Die Aufgaben der Polizei sind essenziell: Schutz bei häuslicher oder rassistischer Gewalt, Schutz schwächerer Verkehrsteilnehmer. Kritiker argumentieren, dass von Rassismus betroffene Personen sich auf die Polizei nicht verlassen können. Bei Ermittlungen kann der Aspekt der regionalen Herkunft problematisch sein; hier ist sorgfältige Untersuchung notwendig.
Um Vorwürfe zu entkräften, sollten Bodycams zur Dokumentation der Polizeiarbeit eingesetzt werden. Stress und Überstunden können den Umgangston bei Polizisten beeinflussen, doch sie müssen unter allen Umständen professionell bleiben.
In städtischen Gebieten besteht ein Teufelskreis: Mangel an Anerkennung und Ansehen führt zu Personalengpässen. Schindler sieht das Problem in der Bürgernähe, die durch den Abbau kommunaler Polizeikräfte gefährdet ist.
Die Polizeidichte ist zwar tief, doch sollte sie dezentral bleiben, um Respekt vor dem Rechtsstaat zu fördern. In homogeneren Gesellschaften wie Finnland und Dänemark funktioniert eine noch tiefere Polizeidichte besser, während die Schweiz mit ihrer wachsenden Bevölkerungsdichte zusätzliche Herausforderungen hat.
Schindler betont, dass die Polizei schon lange rechtlich strengen Regelungen unterliegt. Eine Diversifizierung der Korps könnte die Akzeptanz steigern und interkulturelle Kompetenzen in urbanen Gebieten stärken.