Ein weltweites Aufatmen war zu spüren, als Donald Trump seine Androhung aufgab, die Zivilisation im Iran auszulöschen. Kurz vor Ablauf des Ultimatums kam er mit dem Iran überein, eine Waffenruhe von zwei Wochen einzuleiten.
Diese Vorgehensweise, bekannt als «Taco»-Strategie – ein Akronym für «Trump Always Chickens Out», also Trump macht immer einen Rückzieher – wurde bereits in anderen Bereichen angewendet. Der Begriff geht auf einen Kolumnisten der Financial Times zurück und wird von Christian Lammert, Professor für Politologie am John-F. Kennedy-Institut der Freien Universität Berlin, wie folgt beschrieben: Trump kündigt hohe Handelszölle an, zieht diese jedoch nach negativer Börsenreaktion zurück.
Hier sind die Hauptbeispiele dieser Strategie während Trumps zweiter Amtszeit:
Trump erhielt den Spitznamen Taco-Trump aufgrund seiner Zollpolitik. Er setzte hohe Zölle in Aussicht und legte Fristen fest, um Verhandlungen anzustoßen, so Lammert. In der Folge wurden die angedrohten Zölle zurückgenommen mit dem Argument, man stehe kurz vor einem Handelsabkommen.
Auch bei den Bemühungen zur Beendigung des Ukraine-Krieges spielte Trumps «Taco»-Methode eine Rolle. Lammert erinnert sich an die Szene im Oval Office, als Trump Selenski wegen mangelnder Dankbarkeit für die Unterstützung beschämte. Regelmäßig drohte Trump, die Ukraine-Unterstützung zu kürzen, wenn keine Zugeständnisse gemacht würden.
Ähnliches galt für Russland: Trump drohte mit massiven Sanktionenserhöhungen, falls sich Putin nicht an den Verhandlungstisch setze. Diese Eskalationsstrategie verpuffte jedoch laut Lammert ohne nennenswerte Folgen.
Die Nato-Länder wurden ebenfalls massiv bedroht: Trump forderte fünf Prozent des BIP für Verteidigung und Sicherheit, ansonsten drohte er mit dem Rückzug der USA. Auch die Forderung nach der Sicherung der Strasse von Hormus wurde abgelehnt. Daraufhin kritisierte Trump das Bündnis als «dummen Fehler» und drohte mit einem Austritt.
Beim Obersten Gericht, dem Supreme Court, übte Trump Druck aus. Er bezeichnete Richter vor Entscheidungen als korrupt und schädlich für Amerika, ohne jedoch seine Drohungen umzusetzen, wie Lammert feststellt.
Ein weiteres Beispiel ist das US-Wahlsystem: Trump behauptet internationale Einflussnahme und fordert mehr Eingriffe der Bundesregierung. Er will das Wahlsystem ändern und die Regierungsrolle stärken, doch auch hier sieht Lammert eine Rhetorik der Eskalation mit wenig praktischen Konsequenzen.
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SRF 3, 08.04.2026, 16:49 Uhr
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