In einem Video hatte Influencer Joung Gustav die Schweizer Asylpolitik kritisiert, woraufhin Migros ihre Zusammenarbeit beendete und sein Vitamin-Getränk aus dem Sortiment nahm. Kritiker bemängeln das Fehlen von Quellenangaben in seinen Aussagen. Hier ist seine Stellungnahme im Wortlaut.
Über Quellen, Diskurs und Respekt
Politiker verweisen in Reden meist nicht auf konkrete Quellen zu einzelnen Zahlen, solange diese korrekt sind und bei Nachfrage offenbart werden können – dies gilt als legitim. Nach diesem Prinzip habe ich mein erstes Asylvideo vom 27. November veröffentlicht.
Das Podcastduo «Kurds & Bündig» konnte meinen Berechnungen nicht folgen und ignorierte meine Zahlen, ohne eigene zu präsentieren – ein fragwürdiges Vorgehen. Als auch Mainstream-Journalisten und sogenannte Experten sich diesem Ansatz anschlossen, wurde es für mich bedenklich. Bis heute wird mir vorgeworfen, keine sauberen Quellen geliefert zu haben, wodurch meine Argumente als unschlüssig oder substanzlos dargestellt werden.
Nach erster Kritik habe ich in meinem Update-Video vom 8. Dezember alle Zahlen und Berechnungen mit Quellen belegt – eine Tiefe, die im politischen Diskurs hierzulande selten ist. Dennoch hält sich das Narrativ der angeblichen Quellenlosigkeit.
Ein Beispiel ist ein 1:20 Minuten-Artikel von Ammar Jusufi mit Oliver Lutz, CEO der Kommunikationsagentur Bernet Relations, als Experten. Kritisiert wird auch die mangelnde Transparenz bei den Quellen. Ich blendete zwar politische Dokumente ein, etwa Vorstösse oder Argumentarien aus dem Umfeld der SVP, erläuterte deren Herkunft oder Kontext jedoch nicht.
«Das Problem an seinen Posts sehe ich darin, dass er seine Quellen nicht offenlegt. Stattdessen präsentiert er eine kontroverse Meinung als Tatsache, angereichert mit eigenen Berechnungen, die er nur knapp ausführt.»
Spätestens am 8. Dezember habe ich sehr detaillierte Quellen öffentlich gemacht. Es sind einfache Additionen und Bruchrechnungen von offiziellen Zahlen des Bundes.
Einerseits werde ich als blöder, unüberlegter Influencer dargestellt. Andererseits scheint der Anspruch an meine Quellen höher zu sein als bei manchen Bundesratsreden. Die Darstellungen der genannten Personen empfinde ich bestenfalls als unzureichend geprüft und schlimmstenfalls bewusst irreführend – was ich klar zurückweise.
Wird auf meine Zahlen eingegangen, geschieht dies so:
Ein Beispiel ist ein 3:20 Minuten-Artikel von Ammar Jusufi. Er nennt für 2024 insgesamt 6147 Straftaten mit beschuldigten Asylsuchenden, darunter 252 Sexualdelikte. Diese Zahlen setzt er jedoch nicht in Relation zur Gesamtzahl aller Straftaten (etwa 9 Prozent von 67.800). Anstatt diese Einordnung zu liefern, versucht Gustav, um welchen Faktor Asylsuchende häufiger straffällig würden.
Ein Journalist, der Vergleiche pro 1000 Personen als unfair suggeriert, zeigt die Schieflage dieser Debatte. Ich habe nicht versucht zu berechnen – ich habe es berechnet. Wer eine Berechnung kritisiert, sollte selbst welche vorlegen können, was bisher von keinem Kritiker kam.
Ich gehe davon aus, dass weitere Artikel folgen werden, die Zahlen auf einer anderen Ebene relativieren wollen. Die bisherige Auseinandersetzung zeigt bereits das Niveau der Diskussion.
In dieser Diskussion werde ich wegen meiner Unzufriedenheit mit der kulturellen Entwicklung unseres Landes als Verschwörungstheoretiker abgestempelt. Die Schweiz hat seit Jahrzehnten eine Geburtenrate deutlich unter dem Bestandserhaltungsniveau, während die Bevölkerung durch Migration steigt.
Was bedeutet das für unsere Entwicklung? Darf man Kultur als schützenswert betrachten? Ist Integration wünschbar, oder sind alle Kulturen gleich? Wie lange dauert Integration – und wenn Geburtenrate und Migration die Bevölkerungsstruktur stark verändern: In welche Kultur integriert sich ein Migrant?
In der Annahme, niemand will eine Null-Geburtenrate heute oder dass die Schweiz in hundert Jahren komplett mit anderen Kulturen aufgefüllt wird, ab wann ist es moralisch akzeptabel, sich daran zu stören? Wer entscheidet über die ethische Grenze der Diskussion?
Ein Schweizer, der nicht möchte, dass sein Kind wegen seiner Nationalität verspottet wird, gilt als störend. Wer in seiner Wohnsiedlung eine andere Sprache hört, soll sich damit abfinden. Statt offene Diskussionen zu führen, versucht man, diese Bedenken im Keim zu ersticken. Wer sich dennoch äußert, ist rechtsextrem oder schlimmer.
Wenn Schlagworte und irreführende Diffamierungen den Dialog ersetzen, leidet der konstruktive Diskurs.
Es ist fair zu sagen, dass ich Stabilität und Sicherheit höher gewichte als maximale Offenheit in der Migrations- und Asylpolitik. Es ist fair, unsere Kultur als schützenswert zu betrachten.
Aber wenn man Kosten, Kriminalität und kulturellen Wandel bejubeln müsste, um Respekt zu erhalten, verzichte ich lieber darauf. Respekt, der nur dem gilt, der alles beklatscht, ist nichts wert. Dafür respektiere ich mich selbst.