Die politische Wende in Ungarn ist das Werk einer vielfältigen Gruppe von Unterstützern mit internationaler Erfahrung hinter dem Wahlsieger Peter Magyar. Die fehlende politische Erfahrung wird durch den gemeinsamen Willen zur Veränderung kompensiert. Der Wahlkampf zwischen Peter Magyar und Viktor Orban schien auf den ersten Blick ein Duell zwischen dem erfahrenen Staatsmann und einem unerwarteten Herausforderer zu sein. In weniger als zwei Jahren gelang es Magyar, die sechzehnjährige Herrschaft Orbans zu beenden. Magyars Strategie bestand zunächst darin, seinem mächtigeren Widersacher wenig Angriffsfläche zu bieten. Doch im Laufe des Wahlkampfs musste er nicht nur Antworten auf kontroverse Themen geben, sondern auch klären, mit welchen Persönlichkeiten der große Politikwechsel durchgesetzt werden soll. Magyar konnte erfahrene Persönlichkeiten aus Wirtschaft, Kultur und öffentlichem Leben gewinnen – von bekannten Schauspielern und Influencern über Opernsängerinnen bis hin zu international erfahrenen Managern. Die kleine Partei Tisza hatte kein Reservoir an Politikern zur Verfügung und startete mit Magyars Beitritt und der Europawahl 2024 durch, was sowohl Chancen als auch Risiken bot: Neue Gesichter verkörpern den von Magyar propagierten Wandel am besten. In den Einzelwahlkreisen waren auffällige Charaktere gegen die bekannten Fidesz-Kandidaten gefragt. Die politische Erfahrung dieser vielfältigen Gruppe fehlte oft, und ihre Zusammenführung in eine einheitliche politische Kraft erforderte Geschick. Dies wird insbesondere im neuen Parlament entscheidend sein, da Tisza möglicherweise nur knapp die Zweidrittelmehrheit erreicht. Drei Persönlichkeiten könnten in einer zukünftigen Regierung Magyars führende Rollen einnehmen: Anita Orban als Außenministerin, Istvan Kapitany als Wirtschafts- und Finanzminister sowie Romulusz Ruszin-Szendi als Verteidigungsminister. Alle drei sind keine Karrierepolitiker, sondern Fachleute mit Verbindungen nach Europa und den USA. Anita Orban, eine in den USA ausgebildete Juristin, hat im britischen Aussenministerium als Sonderbotschafterin für Energiesicherheit gearbeitet. Zuletzt war sie bei Vodafone tätig. Ihre politische Vergangenheit liegt in der Fidesz-Partei Viktor Orbans, jedoch in deren transatlantisch ausgerichteter Form. Sie setzt sich dafür ein, Ungarns Abhängigkeit von russischen Rohstoffen zu verringern. Magyars wirtschaftlicher Berater Istvan Kapitany arbeitete viele Jahre in London und machte eine Karriere bei Shell, einschließlich Aufenthalten in Südafrika, den USA, Deutschland und wiederum Ungarn. Im Wahlkampf war er aktiv und rief über LinkedIn zur Beendigung des autokratischen Regimes auf. Romulusz Ruszin-Szendi, der bis vor drei Jahren Generalstabschef war, hat eine militärische Laufbahn absolviert mit Einsätzen im Irak und in Afghanistan. Nach seinem Eintritt bei Tisza wurde er öffentlich diskreditiert, was zu einem Verfahren führte. Die nationale Liste von Tisza für die Parlamentswahlen wird von jüngeren Kandidaten mit internationaler Erfahrung angeführt, die seit 2024 im Europaparlament sitzen. Ihre Gegner kritisierten sie als Vertreter einer „globalistischen Elite“, während sie selbst den Wandel in Ostmitteleuropa symbolisieren und Ungarn nach den langen Orban-Jahren neu ausrichten wollen.