Die amerikanische Regierung nutzt martialisches Gebet und biblische Prophezeiungen, um den Krieg gegen den Iran zu rechtfertigen. Diese Verbindung von Geopolitik mit radikaler Theologie kann jedoch als Brandbeschleuniger wirken, meint der Historiker und Theologe Michael Hochgeschwender im Podcast.
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In ihrem Krieg gegen den Iran bedienen sich US-Politiker und Militärs verschiedener christlicher Erzählungen. So vergleicht der Verteidigungsminister Pete Hegseth die Rettung eines amerikanischen Piloten mit der Auferstehung Christi. Die Soldaten werden zu «christlichen Kriegern», und Gewalt wird im Namen Christi gerechtfertigt.
Der Münchner Historiker Michael Hochgeschwender sieht darin eine strategische Bemühung, den politischen Konflikt religiös aufzuladen. «Es wird bewusst versucht, eine Rhetorik des ‹heiligen Krieges› zu etablieren», erklärt er im Podcast.
Während die Regierung ihren Krieg als göttliche Mission darstellt, scheint Donald Trump religiöse Narrative hauptsächlich für persönliche Vorteile zu nutzen. Hochgeschwender beschreibt ihn als blasphemischen Zyniker, der Religion strategisch einsetzt. Anstatt Erlösung zu suchen, glaube er eher an das «Wohlstandsevangelium», bei dem es um persönlichen Reichtum geht.
In einem Gespräch mit Marlen Oehler beleuchtet Hochgeschwender ein großes Paradoxon: Die US-Regierung wirft dem iranischen Regime vor, Entscheidungen auf theologischer Basis zu treffen – genau das aber praktiziert sie selbst. Der Aussenminister Marco Rubio spricht von «irren religiösen Fanatikern» in Teheran. Auf beiden Seiten entsteht so der gefährliche Eindruck eines Kampfes zwischen der einzig wahren Religion und dem absoluten Bösen, was die Lösung des Konflikts erheblich erschwert.
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