Queen Elizabeth II galt als der berühmteste Mensch der Welt, und selbst Andy Warhol soll sie um ihren Ruhm beneidet haben. Anlässlich ihres runden Geburtstags zeigt eine Ausstellung im Buckingham-Palast in London über 300 Kleiderstücke der Queen: Von Kleidern und Hüten bis hin zu Schuhen, Handtaschen und Schmuck. Dass ihre Garderobe den Jubiläumsanlass prägt, ist bezeichnend für die Rolle ihrer Mode als Kommunikationsmittel. Die britischen Medien kommentierten stets das Outfit der Königin in historischen Wochenschauen, wenn sie etwa Staatsoberhäupter empfing oder soziale Einrichtungen besuchte. In einer Zeit, in der sie sich als konstitutionelle Monarchin nicht zu politischen Themen äußern durfte und keine Interviews gab, bot ihre Garderobe eine Plattform für nonverbale Statements. Ein Beispiel dafür war 2017 bei der Parlamentseröffnung: Während Elizabeth das Regierungsprogramm zum EU-Austritt vorlas, trug sie einen blauen Hut mit gelben Blüten, die an die Flagge der Europäischen Union erinnerten. Dies wurde als stiller Protest gegen den Brexit gedeutet. 2011 besuchte sie Irland und wählte ein weißes Kleid mit über 2000 handgenähten Kleeblättern sowie einer Harfe aus Swarovski-Kristallen – beides Nationalsymbole Irlands. Mit der Begrüßung in Irisch startete sie ihre Ansprache, was als diplomatischer Triumph ohne Worte gewertet wurde. Auch 1980 beim Staatsbesuch in der neutralen Schweiz trug die Queen ein rot-weisses Outfit und zeigte so den freundschaftlichen Bezug zwischen beiden Nationen. Ihre Kleidung war oft mehrfach getragen, als Zeichen von Sparsamkeit; sogar ihr Krönungsornat mit Goldstickereien wurde bis zu fünffach wiederholt. Queen Elizabeth II bleibt auch posthum faszinierend: Die Ausstellung in London ist ausverkauft und es erscheinen Biografien. Eines dieser Werke widmet sich Angela Kelly, der persönlichen Assistentin der Queen, die zur engen Vertrauten aufstieg. Kellys Memoiren offenbaren charmante Anekdoten, wie sie mit Elizabeth zu «Dancing Queen» tanzte. Der einprägsame Stil von Elizabeth – bestehend aus Perlenkette, Brosche, Handtasche, Kleid und Hut – machte sie in Menschenmassen sichtbar. Ihr Tod im Jahr 2022 markiert das Ende einer Ära, während König Charles auf weniger Rückhalt stößt. Angesichts aktueller Skandale um Andrew Mountbatten-Windsor fragen sich viele über die Zukunft der Monarchie. Die Herausforderung für Prinz William und seine Familie besteht darin, das britische Volk erneut zu begeistern – ein Unterfangen, bei dem Kleider keine Könige mehr machen. Die Ausstellung «Queen Elizabeth II: Her Life in Style» läuft vom 10. April bis zum 18. Oktober 2026. Ein weiteres Buch über die Queen ist von Caroline de Guitaut unter dem Titel «Queen Elizabeth II – Fashion and Style», veröffentlicht bei Thames & Hudson, erschienen.