Nach Druck aus dem internationalen Raum, Unterstützung des Bundesrats und der früheren Parlamentarierin Pascale Bruderer arbeiten UBS, Postfinance, Raiffeisen sowie weitere namhafte Finanzinstitutionen an einer wegweisenden Finanzinnovation: einem digitalen Franken. Lange hofften die Banken, sich dem Thema entziehen zu können – ähnlich wie Firmenchefs in den 1990er-Jahren das Internet als kurzlebige Modeerscheinung abtaten.
Heute jedoch führen mehrere Großbanken gemeinsam Live-Tests mit einem digitalen Franken durch. Die Teilnahme von UBS, Postfinance, Raiffeisen und den Kantonalbanken Zürichs und Waadtlands verdeutlicht das Ernstnehmen der Herausforderung.
Die Bedeutung der Stablecoins – digitaler Vermögenswerte, die an traditionelle Währungen gebunden sind – ist unumstritten. Die finanzielle Welt gleicht einem CD-Player: digitalisiert, doch veraltet. Heute streamen wir Musik, während nur wenige noch CDs abspielen.
Stablecoins werden als bedeutende Finanzinnovation seit der Einführung des Bancomaten angesehen und etablieren sich auch in Europa. Der Bundesrat erkennt den Bedarf für eine Gesetzesänderung zur Teilnahme an dieser Entwicklung, nachdem die Finma zwei Jahre zuvor restriktive Regeln erlassen hatte, die die Ausgabe von Franken-Stablecoins de facto verhinderten.
Die Banken bereiten sich in einer kontrollierten Umgebung mit symbolischen Beträgen auf diese neue Realität vor. Die Firma Swiss Stablecoin, gegründet von der früheren Politikerin Pascale Bruderer, stellt die technische Infrastruktur bereit und lädt weitere Unternehmen zur Teilnahme ein.
Obwohl konkrete Anwendungsfälle nicht kommuniziert werden, sind diese dennoch offensichtlich: Händler wie Coop und Migros beschweren sich über hohe Gebühren bei Kredit- und Debitkartenzahlungen oder Twint. Stablecoins könnten die Kosten drastisch senken und zudem Transaktionen ins Ausland beschleunigen, die derzeit Tage dauern.
Stablecoins ermöglichen Mikrozahlungen im Internet, wie beispielsweise für einzelne Zeitungsartikel – heute unwirtschaftlich. KI-Agenten, die Aufgaben erledigen, könnten digitale Währungen nutzen statt Karten. Haushalte könnten überschüssigen Strom über Stablecoins verkaufen.
Digitales Geld ist programmierbar und kann mit Bedingungen versehen werden; ein Hauskauf könnte eine automatisierte Zahlung beinhalten, die erst nach einem digitalen Grundbucheintrag freigegeben wird. Die Schweiz bewegt sich oft nicht als erster, aber rechtzeitig – wie bei Twint als Antwort auf Apple Pay.
Die Banken zeigen Lernbereitschaft und könnten durch Kooperation mit weiteren Firmen einen großen Schritt in der Digitalisierung machen.