In Mailand errang die herausragende Eishockeyspielerin der Schweiz zum zweiten Mal Olympia-Bronze und sprach über die anhaltenden Herausforderungen im Fraueneishockey in ihrer Heimat. Im Gespräch mit NZZ am Sonntag erklärte Alina Müller, dass sie vor dem Olympiaspiel zwar nicht explizit davon geträumt habe, den Siegtreffer zu schießen, sich jedoch lange Zeit mit dieser Vorstellung beschäftigt habe. Diese Vision wurde Wirklichkeit, als sie gegen Schweden in der Verlängerung zum entscheidenden Tor für die Schweizer Mannschaft avancierte – ein ähnlicher Triumph wie vor zwölf Jahren bei den Spielen in Sotschi.
Müller, deren Familie sich bis nach Bergamo erstreckt, freute sich besonders auf dieses Turnier, da es nahe ihrer Heimat stattfand und ihre Verwandten im Stadion waren. Sie erwartete eine hohe Medaillen-Chance durch die veränderte Wettkampfformatik von WM und Olympia.
Obwohl sie hofft, dass diese Bronzemedaille dem Fraueneishockey mehr Anerkennung einbringt, sieht Müller den Kampf um Selbstverständlichkeiten in der Schweiz als kontinuierlichen Prozess. Sie hebt die Notwendigkeit von Investitionen hervor und bemerkt eine positive Entwicklung hin zu größerem Interesse. Dennoch bleibt das Verhältnis innerhalb der Swiss Ice Hockey gemischt: Während sich einige intensiv für Fortschritte einsetzen, engagieren sich andere weniger.
Die Erfahrungen in der nordamerikanischen PWHL, wo Müller seit drei Jahren als Profi spielt und bemerkenswerte Unterschiede im Umfang und der Professionalität feststellt, fordern ihre Energie. Sie vergleicht die Situation mit dem europäischen Fraueneishockey, das noch weit von diesem Niveau entfernt ist.
In Boston erlebt sie eine beeindruckende Entwicklung des Frauen-Sports, sowohl im Eishockey als auch in anderen Sportarten, und erinnert sich an persönliche Meilensteine wie den Verkauf von Trikots mit ihrer Nummer und ihrem Namen. Diese Erfahrungen haben ihre Wertschätzung für das Umfeld und die Unterstützung verstärkt.
Müller spricht auch über die mentalen Herausforderungen, die der Übergang zum Profisport mit sich bringt: die Erwartungshaltung, wertvoll für den Verein zu sein. Ein guter Mentaltrainer hat ihr dabei geholfen, diese neue Verantwortung zu bewältigen.
Nach dem jüngsten Vertragsabschluss bis 2028 beschreibt sie ihre finanzielle Situation: Trotz steigender Gehälter ist es nicht um Reichtum gegangen. Vielmehr genießt sie die Möglichkeit, als Profi zu leben und sieht sich in einer besseren Position als frühere Spielerinnen, die oft frühzeitig aufhören mussten.
Während ihrer Studienzeit fokussierte sich Müller auf Rehabilitationswissenschaften, eine Leidenschaft, die durch ihr Eishockey-Stipendium ermöglicht wurde. Sie plant, nach der Karriere im Sportmanagement zu studieren und denkt über das Ende ihrer aktiven Laufbahn bei Familienplanung nach.
Mit einem neuen Trainer für die Nationalmannschaft sieht sie nicht primär das Geschlecht des Trainers als entscheidend an, sondern vielmehr dessen Fähigkeit, auf dem erreichten Niveau weiterzubauen. Sie hofft, dass ihr bisheriger Coach Colin Müller in einer beratenden Funktion bleibt.