Die Entscheidung, ein Zuhause oder eine Wohnung nach dem Tod einer Person aufzulösen, ist komplex und emotional. Es geht darum, ein Leben neu zu ordnen oder abzuschließen und bedeutet oft einen weiteren Abschied. Diese Aufgabe erfordert Zeit und Energie, weshalb viele Angehörige Räumungsdienste in Anspruch nehmen. Astrid Frehner, die Tochter einer 101-jährigen Verstorbenen, steht vor dieser Herausforderung. Sie muss sich entscheiden, wie sie mit dem stilvoll eingerichteten Einfamilienhaus ihrer Mutter in Appenzell umgeht, das nun ihr Eigentum ist. In der aktuellen Trauerphase ist noch unklar, ob sie das Haus vermieten oder selbst nutzen wird.
Astrid hat die Freiheit, ohne Zeitdruck zu entscheiden und widmet sich zunächst den administrativen Angelegenheiten des Todesfalls. Die Wünsche ihrer Mutter, wie etwa Dankeskarten für Gäste der Beerdigung, sollen erfüllt werden. Trotz der Trauer wird ein Stuhl, auf dem ihre Mutter oft saß, ihr bleiben. Dieser soll neu bezogen werden und bleibt als Erinnerungsstück bestehen.
In Zürich zeigt sich eine andere Perspektive bei einer Hausräumung: Der Sohn Robert Brandenberger erlebt die Räumung seines Elternhauses aus den 1930er-Jahren als Befreiung. Die schlechte Beziehung zu seinen Eltern und das chaotische Haus motivieren ihn, alles wegräumen zu lassen, um eine frische Zukunft ohne negative Erinnerungen zu beginnen.
Die Erfahrung von rund vier Jahrzehnten im Umgang mit Hausräumungen hat das Familienunternehmen Brocki-Land in Zürich, geführt von Melanie und Vanessa Morf, geprägt. Jede Räumung wird sorgfältig geplant und durchgeführt, wobei alles zuerst ins Brockenhaus kommt, bevor es entsorgt oder weiterverkauft wird.
Die Arbeit mit Hausräumen erfordert neben organisatorischen Fähigkeiten auch emotionales Feingefühl. Die Mitarbeitenden von Brocki-Land stehen Angehörigen in emotionalen Ausnahmesituationen bei und tragen unterschiedliche Lebensgeschichten zur Kenntnis.
Das Auflösen eines Haushalts ist mehr als nur eine praktische Aufgabe; es eröffnet einen Einblick in das Leben des Verstorbenen. Ob Trauer oder Befreiung – die Dinge, die übrig bleiben, wie ein Stuhl oder Fotos, dienen als Erinnerungen an den Menschen und sein Zuhause.
Radio SRF 3, 22.03.2026, 20:03 Uhr; liea