Pakistan steht vor einer zunehmenden Herausforderung durch Stromausfälle und steigende Preise an den Tankstellen. Der Einsatz als Vermittler im Iran-Konflikt hat zwar internationale Anerkennung gebracht, doch keine Erleichterungen bei der Energiekrise bewirkt.
In Islamabad drohte ein diplomatischer Durchbruch nahezu zu gelingen: Die Hotelsuiten standen bereit und die Verhandlungsplätze für Gespräche über den Iran-Konflikt waren vorbereitet. Doch in letzter Minute zog sich die US-Delegation zurück, was Premierminister Shehbaz Sharif enttäuschte, ihn jedoch nicht von weiteren Bemühungen abhielt.
Die wirtschaftliche Abhängigkeit Pakistans vom Persischen Golf ist beträchtlich. Mit seinen 250 Millionen Einwohnern bezieht das Land etwa 85 Prozent seines Erdöls aus Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE). Bei Erdgas sind Katar und die VAE als Hauptlieferanten entscheidend, nachdem iranische Angriffe auf die Gasinfrastruktur Katars zu Produktionsstopps führten.
Iran blockiert derzeit den Schiffsverkehr durch die Straße von Hormuz. Trotz einer Zusage Pakistans im März, zwanzig iranische Tanker passieren zu lassen, bleiben viele LNG-Schiffe festgefahren. Deswegen wurde am Freitag vorhergehender Woche eine Ausschreibung für drei LNG-Ladungen auf dem Spotmarkt notwendig.
Der Spotmarkt ist wesentlich teurer als langfristige Verträge, und Pakistan steht unter Druck, da Gaskraftwerke zunehmend an Brennstoff fehlen. In Städten wie Karachi und Lahore kommt es zu unplanmäßigen Stromausfällen von bis zu 15 Stunden täglich während der Sommerhitze.
Schon früh im Krieg verhängte die Regierung Sparmaßnahmen, darunter Schulferien und eine Vier-Tage-Woche. Dennoch mussten nach wenigen Wochen die Treibstoffpreise erhöht werden, da Subventionen den Staatshaushalt stark belasteten.
Die Preise für Diesel und Benzin sind im Vergleich zur Vor-Kriegszeit um 55 beziehungsweise 43 Prozent gestiegen. Um den Verbrauch einzuschränken, wurden Fahrzeugkennzeichen der Behörden reduziert und Gehälter von Regierungsmitgliedern gekürzt. Die stark verschuldete pakistanische Wirtschaft kann kaum die höheren Energieimporte decken.
Bis zum Krieg hatte Pakistan einen Gasüberschuss, dennoch wurden 21 LNG-Lieferungen des italienischen Konzerns Eni im November storniert. Der Ausbau der Solarenergie und günstige chinesische Solaranlagen hatten zu einer Verringerung des Gaskonsums geführt.
Trotz einer erheblichen Erhöhung der Energieproduktion aus Sonne, Wind und Wasser bleibt Pakistan stark von importiertem Gas abhängig. Die Pipeline-Projekte mit Iran und Turkmenistan sind politischen Hürden zum Opfer gefallen, und auch Schmuggelaktivitäten an der Grenze zu Iran haben durch verstärkte Sicherheitsmaßnahmen nachgelassen.
Die anhaltende Blockade der Straße von Hormuz verschärft die Energieprobleme weiter. Die Absage der Gespräche in Islamabad stellt einen Rückschlag dar, und eine baldige diplomatische Lösung erscheint unwahrscheinlich, was die Ölpreise wieder steigen lässt.