Der Arbeitgeberverband hat in einer Datenanalyse auf Basis der Schweizerischen Arbeitskräfteerhebung festgestellt, dass Zuwanderer vor allem in Unternehmen arbeiten und dabei den Fachkräftemangel ausgleichen. Dies deutet darauf hin, dass Ausländer im Vergleich zu Inländern eher bereit sind, beruflichen Druck zu ertragen. Diese Erkenntnis ist besonders relevant angesichts der bevorstehenden Abstimmung zur 10-Millionen-Schweiz.
Während in den vergangenen Jahren die Beschäftigung im Kernstaat und in staatsnahen Bereichen um etwa 370.000 Stellen zugenommen hat, verzeichnete die Privatwirtschaft lediglich ein Wachstum von rund 260.000 Arbeitsplätzen bis Ende 2024. Interessanterweise sind 93 Prozent der zusätzlichen Beschäftigten in der Privatwirtschaft Ausländer, während Schweizer nur etwa 6 Prozent ausmachen. Die stärksten Zuwächse gab es im Software- und IT-Bereich sowie bei Unternehmensdienstleistungen und Planungsbüros.
Beim Kernstaat entfielen hingegen knapp 90 Prozent der zusätzlichen Stellen auf Schweizer, während in Bereichen wie Gesundheit, Bildung, Soziales und Betreuung das Wachstum mit etwa 60 Prozent etwas ausgeglichener war. Patrick Chuard-Keller, Chefökonom des Arbeitgeberverbands, betont die volkswirtschaftliche Bedeutung der marktorientierten Branchen: “Hier entsteht der Wohlstand, der unsere sozialen Einrichtungen finanziert.” Er argumentiert, dass das Engagement von Zuwanderern in diesen Sektoren ein Indikator für deren Beitrag zum Schweizer Wohlstand sei. Laut Chuard-Keller sind wertschöpfungsintensive Bereiche stark auf ausländische Arbeitskräfte angewiesen.
Ein weiteres Problem könnte sich durch den Rückzug der Babyboomer und das geringere Angebot an jungen Fachkräften im Inland verschärfen. Arbeitgeber vermuten, dass die attraktiven Arbeitsbedingungen im öffentlichen Sektor – mit hoher Sicherheit und guter Work-Life-Balance – Schweizer ansprechen, während Ausländer oft bereit sind, sich in einem wettbewerbsintensiveren Umfeld zu bewähren.
Daniel Lampart vom Schweizerischen Gewerkschaftsbund sieht die Situation differenzierter: In staatsnahen Branchen sei die Verteilung recht ausgeglichen. Er erklärt, dass Zuwanderer jenen Bereichen nachziehen, in denen Arbeitsplätze verfügbar sind. Leisibach von Avenir Suisse betont, dass Schweizer Arbeitnehmende auf attraktive Konditionen reagieren und die Politik letztlich für das Wachstum im öffentlichen Sektor verantwortlich sei.