An den Börsen ist Ernüchterung eingekehrt, da klar wird, dass der Erdölbedarf auf lange Sicht unsicher bleiben könnte. Die Ankündigung Irans Anfang letzter Woche, die Strasse von Hormuz komplett zu öffnen, sorgte zunächst für Begeisterung und führte zu einem 10-prozentigen Rückgang des Ölpreises. Donald Trump lobte dies auf seiner Plattform Truth Social mit „Thank you!“. Doch bald wurden diese Hoffnungen enttäuscht: Irans Streitkräfte hoben die Durchfahrtsfreiheit wieder auf und beschossen zwei Schiffe, die die Meerenge passieren wollten. Die Märkte reagierten schockiert, der Erdölpreis stieg am Montag rapide an, begleitet von Verlusten an den Aktienmärkten. Unklar bleibt, ob Dienstags eine zweite Gesprächsrunde zwischen USA und Iran stattfindet.
Trump versucht die Auswirkungen des Konflikts mit dem Iran auf die Konsumenten zu minimieren, doch Energieminister Chris Wright betonte im CNN-Interview, dass der Benzinpreis in den USA möglicherweise bis zum nächsten Jahr nicht unter 3 Dollar pro Gallone fallen werde. Aktuell zahlen Autofahrer im Schnitt mehr als 4 Dollar – ein Anstieg von über einem Drittel seit Beginn des Konflikts. “Wir haben das phantastisch hinbekommen”, fügte Wright hinzu und erwähnte die beispiellose Unterbrechung der Energieversorgung.
Trotz Hoffnung auf eine Fortsetzung der Waffenruhe und einer baldigen Einigung zwischen den USA und Iran ist eine schnelle Normalisierung der Preise unwahrscheinlich, so Peter Frech von Quantex. Er erinnert an die Ölkrise der 1970er Jahre: Das Embargo der Opec begann im Oktober 1973, führte aber erst mehrere Monate später zu einem steilen Anstieg des Ölpreises. Auch nach dem Ende des Embargos blieb das Öl teuer – ein ähnliches Szenario könnte sich jetzt wiederholen.
Gary Pedersen von Gunvor, basierend in Genf, rechnet mit weiteren Turbulenzen an den Märkten bis Juni. Er warnte vor unvorhersehbaren Preisschwankungen und erwähnte, dass sein Unternehmen im ersten Quartal 2026 einen Bruttogewinn von 1,6 Milliarden Dollar erzielte – genauso viel wie im gesamten Vorjahr.
USA und Iran befinden sich in einem Patt: Beide blockieren die Strasse von Hormuz und hoffen auf den Gegner. In westlichen Ländern wächst der Druck, da Lieferketten reißen. Es entstehen Engpässe bei Düngemitteln und Kerosin für die Luftfahrt.
Die Teuerung nimmt zu: Der australische Finanzminister prognostiziert eine Inflationsrate von 5 Prozent und warnt vor schwerwiegenden wirtschaftlichen Folgen. Die OECD erwartet in den USA einen Anstieg der Jahresteuerung auf 4,2 Prozent. Die Konsumentenstimmung ist im April auf ein Rekordtief gefallen.
Unklar bleibt die rasche Entwicklung der iranischen Wirtschaft ohne Ölexporte. Prognosen schwanken, doch Experten gehen von etwa drei Monaten aus. China spielt eine entscheidende Rolle, da es als Hauptabnehmer von iranischem Öl einen langfristigen Konflikt vermeiden möchte. Die Ausgangslage am Strasse von Hormuz bleibt ungewiss.