Der US-Präsident hat angekündigt, ab der nächsten Woche auf Fahrzeuge aus der EU einen erhöhten Zoll von 25 Prozent zu verhängen. Die genauen Details sind noch unbestimmt. Sollte dies Realität werden, ist mit Gegenzöllen seitens der EU zu rechnen.
Die Europäische Union steht erneut vor Unsicherheiten in Bezug auf die USA. Am Freitagabend verkündete Präsident Donald Trump auf seiner Social-Media-Plattform, dass ab nächster Woche ein Zoll von 25 Prozent auf Autos, Komponenten und Lkw aus der EU erhoben werde. Der aktuelle Zollsatz beträgt 15 Prozent. Bis Sonntagabend blieb jedoch unklar, welcher genaue Tag für den Inkrafttreten bestimmt wurde.
Trump begründet die erneute Drohung mit dem langsamen Umsetzungsprozess der Zollvereinbarung durch die Europäer. Diese Einigung war Ende Juli 2025 in Schottland zwischen ihm und der EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen getroffen worden.
In der EU ist diese Übereinkunft noch nicht vollständig umgesetzt; dies könnte erst im Juni erfolgen. Ein beschleunigter Gesetzgebungsprozess seitens des Europäischen Parlaments wäre sinnvoll gewesen.
Trump trägt jedoch selbst zur Verzögerung bei. Im Januar drohte er acht europäischen Ländern mit Einfuhrabgaben, sollten sie der US-Übernahme Grönlands nicht zustimmen. Dies wurde als Affront von EU-Parlamentariern empfunden, die ihre Position zur Handelsübereinkunft zunächst klären mussten.
Die EU-Kommission hat auf Trumps Ankündigung mit einer diplomatischen Gegendrohung reagiert. Ein Sprecher erklärte, man sei in ständigem Kontakt mit der US-Regierung und informiere über die Umsetzung der Zollvereinbarung. Würden die USA Maßnahmen ergreifen, die dieser Vereinbarung widersprächen, seien Schutzmaßnahmen für EU-Interessen geplant.
Trump muss nun offenbaren, ob er einen Handelskrieg gegen die Europäer beabsichtigt. Sollten die Zölle eingeführt werden, müsste die EU reagieren, um glaubwürdig zu bleiben. Bereits im Mai 2025 definierte die Kommission Gegenzölle in Höhe von 93 Milliarden Euro für diesen Fall.
Diese Abgaben könnten ab dem 6. Februar gelten, sofern Trump nicht in der Grönlandfrage zurückgerudert wäre. Nun droht ihre Wiederbelebung. Dabei wären Produkte wie Jeans, Bourbon-Whiskey, Sojabohnen und Flugzeugteile betroffen.
Innerhalb der EU herrschte Uneinigkeit darüber, wie hart man gegen die USA vorgehen sollte. Frankreich plädierte für eine harte Linie, während Deutschland Verhandlungen bevorzugte. Nun muss Berlin entscheiden – Trump hat sich auf eine deutsche Schlüsselindustrie konzentriert.
Bei Zöllen wäre besonders die deutsche Autoindustrie betroffen. Unternehmen wie BMW, Mercedes und Volkswagen könnten dies teilweise durch lokale Produktion abfedern; Porsche und Audi jedoch nicht. VW erwägt deshalb, Audis in den USA zu fertigen.
Ein Handelskonflikt würde Europas Autobranche schwer treffen, die ohnehin Exportprobleme hat und Arbeitsplätze verloren hat. 2025 sanken die Ausfuhren in die USA um 21 Prozent, nach China sogar um 43 Prozent.
Auch die gesamte europäische Wirtschaft würde stark beeinträchtigt. Sie leidet unter steigenden Energiepreisen aufgrund des Iran-Krieges und benötigt Stabilität statt Konflikte.
Wirtschaftsverbände fordern daher eine Deeskalation. Hildegard Müller, Präsidentin des deutschen Automobilverbands (VDA), drängt Washington und Brüssel zu Gesprächen. Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) sieht Trumps Ankündigung als massive Herausforderung für transatlantische Beziehungen.
Es bleibt fraglich, ob die Partner erneut eine Eskalation vermeiden können. Das Verhältnis zwischen EU und USA hat sich verschlechtert, das gegenseitige Misstrauen ist gestiegen.