Der Konflikt um den Golf mag vorläufig beigelegt sein, doch die geopolitischen Auswirkungen werden lange nachhallen. Europa wird seinen schwerwiegenden Fehler in diesem Zusammenhang noch zu spüren bekommen. Historisch gesehen haben Großmächte sich oft an Kriegen beteiligt, die sie nicht selbst ausgelöst haben, um ihre globale Ordnungsvorstellung durchzusetzen.
Der deutsche Verteidigungsminister Pistorius erklärte bezüglich des Iran-Konflikts: «Es ist nicht unser Krieg». Diese Aussage verdeutlicht die Haltung Europas als global nachrangige Macht. Die europäischen Verbündeten lehnten Washingtons Hilferuf ab und zeigten damit ihre Unwilligkeit oder Unfähigkeit, im Nahen Osten eine Rolle zu spielen.
Während London, Paris und Berlin das Atomabkommen mit Teheran ausverhandelten, war dies eher ein Akt von Schönwetterdiplomatie unter der Führung Amerikas. Hätten die NATO-Partner auf Trumps Bitte reagiert, die Strasse von Hormuz zu sichern, wäre das kein direkter Kriegseintritt gewesen. Die USA benötigten lange für den Truppentransport in den Golf – ein Umstand, der auch für die europäischen Seestreitkräfte galt.
Ein kluger diplomatischer Schachzug hätte darin bestehen können, Hilfe am Golf gegen Unterstützung für Kiew auszuhandeln. Die Gelegenheit wurde jedoch verpasst. Starmer, Macron und Merz werden noch lernen, dass man große Konflikte nicht ignorieren kann.
Ein grundsätzliches Ja auf Trumps Bitte hätte als Signal gedient: Europa nimmt den Nahen Osten ernst und fühlt sich für die Welt verantwortlich – ähnlich wie Amerika es seit dem Ersten Weltkrieg getan hat. Das Schweigen wird jedoch im europäisch-amerikanischen Verhältnis nachwirken.
Die EU und Großbritannien wiederholten ihren Fehler von 2008, der Ukraine keine Beitrittsperspektive zu bieten, was Putin zur Annexion der Krim ermutigte. Nichthandeln hat einen Preis – oft einen beträchtlichen. Im Iran-Konflikt unterstützten Deutschland, Frankreich und Großbritannien Obama zwar bei Verhandlungen mit Teheran, ohne jedoch eine klare Strategie zu entwickeln.
Seit Trumps Rückkehr ins Weiße Haus ist das Schlagwort «strategische Autonomie» omnipräsent. Europas Abhängigkeit von Washington liegt aber nicht nur an militärischer Unterstützung, sondern auch am Mangel einer zeitgemäßen globalen Rolle.
Europa beschuldigt Amerika für seinen Niedergang und reagiert in pubertärer Manier auf Trumps Politik. Die EU und Großbritannien ignorieren die Ukraine, weil sie sich von den USA entfremdet haben. Diese Abkehr schadet der Allianz.
Europa bleibt ohne Strategie – auch im Nahen Osten, wo es seine Rolle aufgibt. Trotz kleinerer Erfolge wird das fragile transatlantische Verhältnis belastet bleiben. Amerika ist nun der große Hegemon am Golf, während Europa weiterhin abhängig bleibt.
Die demografischen und wirtschaftlichen Verschiebungen machen die Beziehung zwischen den alten Verbündeten schwieriger. Eine Solidaritätsbekundung im Golf hätte eine sinnvolle Geste sein können.