In der Vergangenheit verließ sich Europa auf den nuklearen Schutzschirm der USA, doch Ereignisse wie die russische Invasion in der Ukraine und Donald Trumps erneute Wahl zum US-Präsidenten haben diese Sicherheitsgarantie ins Wanken gebracht. Seitdem steht Europa vor der Frage: Wie kann es sich eigenständig absichern?
Die Nato garantierte nach ihrer Gründung über siebzig Jahre hinweg, dass die USA im Falle eines sowjetischen Angriffs auch mit Atomwaffen zur Verteidigung Europas beitragen würden. Dieses Versprechen wurde lange eingehalten – bis Russland die Ukraine angriff und nukleare Drohungen aussprach. Mit der Wiederwahl Trumps verschlechterten sich die transatlantischen Beziehungen zusehends, was Europas Vertrauen in den amerikanischen Schutz schmälerte.
Große Hoffnungen setzen viele nun auf Frankreich, das als einziges europäisches Land über ein vollständig unabhängiges Atomwaffenarsenal verfügt. Großbritannien hat zwar eigene atomare Sprengköpfe und U-Boote, nutzt jedoch US-Trägerraketen. Im Sommer 2025 intensivieren Frankreichs Präsident Emmanuel Macron und der britische Premierminister Keir Starmer ihre nuklearen Beziehungen, um mehr Unabhängigkeit in Europa zu erreichen. Doch Experten zweifeln daran, ob eine Abschreckung ohne die atomare Unterstützung der USA realisierbar ist.
Im März 2026 kündigt Präsident Macron eine neue französische Nukleardoktrin an: Die strategische Zusammenarbeit mit europäischen Nachbarn soll nun auch nukleardimensionale Ausmaße annehmen. Diskussionen über nationale Atombombenprogramme finden in Ländern wie Deutschland und Polen zunehmend Gehör, wobei 40 Prozent der polnischen Bevölkerung für eigene Atomwaffen sind. Zudem wird die Idee einer gemeinsamen europäischen Bombe diskutiert, deren Sinnhaftigkeit jedoch stark bezweifelt wird.
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