Die Bemühungen Europas, den Iran-Konflikt auszublenden, sind gescheitert. Kurzfristig bleiben ihre Handlungsmöglichkeiten begrenzt. Langfristig wird Europa erst handlungsfähig, wenn es seine Abhängigkeit reduziert. Donald Trump konsultierte die Europäer nicht vor den Luftangriffen und überraschte sie mit der Bitte um Sicherung der Meerenge von Hormuz. Die europäischen Regierungschefs betonten: «Das ist nicht unser Krieg». Der deutsche Kanzler Friedrich Merz warnte, Trump verfolge keine Exit-Strategie und provoziere eine «massive Eskalation mit offenem Ausgang». Jetzt hat sich unter der Führung des britischen Premierministers Keir Starmer die Koalition der Hormuz-Willigen gebildet. Über vierzig Länder, darunter Grossbritannien, Frankreich, Deutschland und Italien sowie Kanada, Japan und die Vereinigten Arabischen Emirate sind beteiligt. Die britische Aussenministerin Yvette Coopernach wies darauf hin, dass die Koalition zunächst auf diplomatische Druckmittel setze. Massnahmen zur Entminung oder Befreiung von Schiffen würden erst nach dem Ende der Kampfhandlungen in Betracht gezogen. Das schwache Signal dieser «Koalition der Willigen» kommt verspätet. Europäer wollten anfangs Trump die Folgen seines Iran-Engagements ausbaden lassen, was sich als kurzsichtig erwies. Sie leiden stark unter den Konsequenzen: steigende Energiepreise erfordern Notmassnahmen und korrigierte Wachstumsprognosen, während hohe Lebenskosten die Regierungen belasten. Auch sicherheitspolitisch zeigt sich «Das ist nicht unser Krieg» als unrealistisch. Europas militärische Abhängigkeit von den USA und die Unfähigkeit, die Ukraine alleine zu unterstützen, machen es erpressbar. Trump droht sogar mit der Zerschlagung der Nato, was ihre Glaubwürdigkeit beschädigt. Die neue Koalition signalisiert Einsatzbereitschaft in der Strasse von Hormuz, doch kurzfristige militärische Möglichkeiten Europas bleiben begrenzt. Unklar ist, ob frühere Kooperation Trump hätte Konzessionen abringen können und ob die aktuellen Signale ausreichen. Langfristig kann Europa nur stark werden, wenn es unabhängiger wird. Starmer will sich Brüssel annähern und fordert die EU auf, Brexit-Ressentiments zu begraben. Zur Reduktion der Abhängigkeit von den USA ist eine bessere Koordination bei Rüstungsausgaben nötig. Zudem muss Europa unabhängiger von russischem und amerikanischem Öl und Gas werden, auch durch Kernenergieausbau.