Im Oktober 2020 wurde in Interlaken ein 61-jähriger Gastronom, dessen Kopf mit einem Baseballschläger zertrümmert wurde und der 19 Schädelverletzungen erlitt, tot aufgefunden. Seine Ehefrau, die Profiboxerin Viviane Obenauf, wurde daraufhin wegen Mordes verurteilt und sitzt seit über fünf Jahren im Gefängnis.
Obwohl das Bundesgericht 2025 ihr Urteil von 18 Jahren Haft plus einem 14-jährigen Landesverweis bestätigte, behauptet Obenauf weiterhin ihre Unschuld. Im August 2025 erklärte sie: “Ich bin nicht schuldig. Ich habe Frieden.” Sie sieht sich als Opfer eines Justizirrtums und fordert eine Neubeurteilung ihres Falls.
Die Anklage stützte sich auf ein Indizienprozess, bei dem 14 Beweisstücke die Schuld Obenaufs belegen sollen. Trotz ihrer Verurteilung hat sie Unterstützer, die an ihre Unschuld glauben und ihr finanziell helfen. Auf ihrer Homepage beschreibt sie den Kampf um ihre Freiheit als “Lebenskampf”.
Ihre Weigerung, sich mit dem Delikt auseinanderzusetzen, erschwert den Strafvollzug. Andrea Wechlin, die Direktorin des Frauengefängnisses Hindelbank, betont: “Unabhängig von der Haltung zur Verurteilung zielen wir auf Rückfallverminderung und Wiedereingliederung ab.” Ohne Anerkennung ihrer Tat wird eine schrittweise Vorbereitung auf das Leben nach dem Gefängnis erschwert. Dies beeinträchtigt auch die Möglichkeit von Vollzugsöffnungen wie beispielsweise begleiteten Ausgängen und macht eine vorzeitige Entlassung unwahrscheinlich.
Die Justiz verlangt nun, dass Obenauf in Therapie geht – ein Schritt, den sie juristisch anfechtet. Sie argumentiert, ihre Strafe schließe keine Therapieanordnung mit ein und sie werde ungerechtfertigt als gefährlich eingestuft.
Sollte Obenauf nach 18 Jahren Haft entlassen werden, wäre sie 52 Jahre alt und müsste das Land für weitere 14 Jahre verlassen – bis zu ihrem 66. Lebensjahr könnte sie dann zurückkehren. Ihr Sohn lebt aktuell in der Schweiz. Ihre Haltung zur Tat bleibt unverändert: “Ich kämpfe weiter für meine Freiheit mit all meiner Kraft,” erklärte sie SRF im Sommer 2025.
Obenauf strebt einen Revisionsprozess an, um ihren Fall erneut verhandelt zu sehen. Dafür bräuchte es jedoch neue Beweise, die derzeit nicht vorliegen. Der SRF-Podcast “True Crime Schweiz” beleuchtet reale Verbrechen in der Schweiz und wird am 4. Mai 2026 um 23:05 Uhr auf SRF 1 ausgestrahlt.