Nach dem Abgang des Pharmariesen MSD steht die Stadt Kriens finanziell auf einem soliden Fundament. Dieser Zustand wurde jedoch durch den bevorstehenden Wegfall eines bedeutenden Einnahmefaktors herausgefordert.
Im Jahr 2025 konnte Kriens einen Gewinn von 96 Millionen Franken verzeichnen, was ein erheblicher Überschuss gegenüber dem geplanten Minus von 14.000 Franken war. Wie aus einer Medienmitteilung hervorgeht, stellt dies das zweitbeste Ergebnis in der Stadtgeschichte dar.
Die Hauptursache für die positive Abweichung vom Budgetplan waren höhere Steuereinnahmen. Unternehmen zahlten 78 Millionen Franken mehr als erwartet, und natürliche Personen trugen zusätzliche 15 Millionen bei. Dies ist nicht das erste Mal, dass sich die finanziellen Ergebnisse der Stadt um viele Millionen von den Prognosen unterscheiden; bereits in 2023 und 2024 waren solche Abweichungen zu verzeichnen.
Roger Erni, Finanzvorsteher der Stadt Kriens (FDP), erläuterte auf Anfrage, dass die unerwartet hohen Steuereinnahmen teilweise auf nachträgliche Zahlungen aus vorangegangenen Jahren zurückzuführen seien. Diese lassen sich schwer in den Budgetprognosen berücksichtigen. Im Jahr 2025 zahlten natürliche Personen Nachträge von 5,4 Millionen Franken und Unternehmen von insgesamt 56 Millionen Franken – fast ausschließlich aufgrund einer einzigen Firma.
Die erheblichen Differenzen in den letzten Jahren führt Erni vor allem auf diese Firma zurück: MSD Schweiz, der grösste Steuerzahler des Landes. Weiterhin habe die Stadt in den Jahren 2016 bis 2020 ihre Budgets bewusst niedrig angesetzt und so übertroffen.
Die Planung von zukünftigen Budgets könnte nun einfacher werden, da MSD im März nach Luzern umgezogen ist. Im Jahr 2025 erzielte die Stadt durch MSD einen Steuerertrag von 123 Millionen Franken bei juristischen Personen. Für das Jahr 2027 rechnet man jedoch nur mit einem Ertrag von 10 Millionen Franken. Diese Differenz beträgt 113 Millionen Franken.
Die Stadt geht für 2027 von einem Defizit bis zu 30 Millionen Franken aus, wie in der Mitteilung angekündigt. Ob das budgetierte Ergebnis tatsächlich erreicht wird, bleibt offen. Trotz dieser Herausforderungen zeigt sich Roger Erni optimistisch: “Die Stadt Kriens hat sich finanziell erfreulich entwickelt und zählt heute zu den finanzstärksten Gemeinden im Kanton Luzern”, so seine Aussage in der Mitteilung.
In den letzten sechs Jahren vollzog die Stadt eine beachtliche finanzielle Wende. 2019 war sie mit rund 5000 Franken pro Einwohner verschuldet, während Ende 2025 das freie Eigenkapital über 300 Millionen Franken betrug. Der Überschuss im Jahr 2023 führte dazu, dass dem Kanton Luzern 1,5 Millionen Franken zu überweisen waren, wobei der Betrag in den folgenden Jahren aufgrund weiterer hoher Überschüsse noch steigen wird.