Die Beliebtheit des Fliegens in der Schweiz erreicht neue Höhen, wie die Passagierzahlen an den nationalen Flughäfen zeigen. Zwei repräsentative Umfragen bieten jedoch unterschiedliche Einsichten zur Frage einer möglichen Flugticket-Abgabe: Eine von Umverkehr (GFS Zürich) und eine andere im Auftrag von Aviationsuisse (Sotomo). Die erste Umfrage zeigt breite Zustimmung für eine CO₂-Abgabe zugunsten des öffentlichen Verkehrs, während die zweite deutliche Skepsis gegenüber der Effektivität solcher Abgaben ausdrückt. Stattdessen soll laut dieser Umfrage in nachhaltige Technologien investiert werden.
Marc Bühlmann von der Universität Bern hebt hervor, dass die Formulierung und Kontextualisierung von Fragen in Umfragen entscheidend für die Ergebnisse sein können. Diese Tatsache wird durch die unterschiedlichen Erhebungen im November 2025 (Umverkehr) und Januar/Februar 2026 (Aviationsuisse) belegt, wobei letztere zeigt, dass zwei Drittel der Bevölkerung CO₂-Abgaben für wenig effektiv halten. Die Umfrage von Aviationsuisse ergab zudem eine positive Einstellung zur Luftfahrt unter den Schweizer Bürgern.
Die Diskussion um die Verlässlichkeit und potenzielle Manipulation solcher Erhebungen wird vom Politikwissenschaftler Bühlmann angesprochen, der betont, dass Umfragen oft nur Momentaufnahmen darstellen. Die direkte Demokratie in der Schweiz bietet den Rahmen, um eine breitere Diskussion und letztendliche Abstimmung zu ermöglichen.
Laut Lufthansa Group setzt sich die Zahl der Passagiere, die freiwillig einen Aufpreis für nachhaltigeres Fliegen zahlen, positiv fort. Die Schweizer Bevölkerung wird aufgefordert, kritisch mit solchen Studien umzugehen und offen für verschiedene Perspektiven zu bleiben.
Das Gespräch führte Matthias Baumer.
Rendez-vous, 4.5.2026, 12:30 Uhr