Grosskanzleien zeichnen sich durch hohe Einstiegsgehälter und ein hohes Arbeitspensum aus. Marco Carbonare, Partner bei Linklaters in Frankfurt, hat sich auf umfangreiche Transaktionen von Schweizer Unternehmen spezialisiert. Trotz politischer Unsicherheit und schwankender Börsenkurse sieht er Chancen: “Volatilität ist nicht förderlich für Transaktionen”, so Carbonare, “aber sie zwingt dazu, das Geschäftsmodell zu überdenken.” Dies kann zum Verkauf von Unternehmensbereichen oder Börsengängen führen. Sein Team berät in solchen Fällen.
Carbonare ist auf Fusionen und Übernahmen großer Unternehmen spezialisiert. Linklaters, eine britische Großkanzlei mit einem Jahresumsatz von über 2 Milliarden Euro, bietet umfassende rechtliche Beratung weltweit an. Carbonares Fokus liegt dabei auf Schweizer Klientel.
Kürzlich beriet er den Pharmakonzern Lonza beim Verkauf eines Geschäftsbereichs im Wert von 3 Milliarden Franken. Zuvor war er an Börsengängen von Bioversys und Swiss Marketplace Group beteiligt, sowie bei Holcims Kauf des deutschen Baustoffherstellers Xella.
Carbonare pflegt seit Jahrzehnten Beziehungen in der Branche, insbesondere nach seinem Einstieg 1998 bei Skadden. Seine Prägung durch Vorarlberg und die Schweiz sowie seine Sprachkenntnisse seien dabei hilfreich gewesen: “Ich habe immer während der Sommerferien in der Schweiz gearbeitet”, so Carbonare.
Sein Team berät nicht zu Schweizer Recht, sondern übernimmt grenzüberschreitende Themen. Der Markt für Transaktionen ist aktiv, wobei Unternehmen oft Know-how und Technologie erwerben oder sich von Unternehmensbereichen trennen. Trotz bereits erfolgter Verschlankungen bestehen weiterhin komplexe Beratungsbedarfe.
Rechtliche Unsicherheiten gibt es insbesondere bei der Fusionskontrolle, während Verkäufer oft höhere Preisvorstellungen haben als die Interessenten. Die Geopolitik beeinflusst Entscheidungen von Schweizer Unternehmen, beispielsweise durch Zölle und Wechselkursschwankungen.
Die Arbeitsbedingungen in Grosskanzleien sind extrem: Berufseinsteiger verdienen bereits über 150.000 Euro im Jahr, während erfolgreiche Partner Konzernvorständen gleichgestellt werden. Der Weg zum Partnerstatus erfordert nicht nur juristische Expertise, sondern auch das Erschließen neuer Geschäftsfelder.
Carbonare sieht sich mehr als Dirigent denn als Einzelkämpfer und betont die Bedeutung von Teamarbeit und interdisziplinärem Denken. In Verhandlungen ist es entscheidend, ruhig zu bleiben und eine gemeinsame Basis sicherzustellen.
Für Carbonare bleibt die Arbeit an bedeutenden Transaktionen reizvoll. Erforderlich sei dabei stets die Bereitschaft, für den Mandanten da zu sein und Stress zu bewältigen. “Stress ist ja nicht unbedingt negativ”, so Carbonare, bevor er zum nächsten Termin eilt.