In einer unerwarteten Wende hat Gamestop, das deutlich kleiner als sein potenzieller Ziel ist, die geplante Übernahme von Ebay bekanntgegeben. SRF-Wirtschaftsredaktor Sven Zaugg kommentiert, dass es selten sei, wenn ein kleineres Unternehmen versucht, einen größeren Konkurrenten zu übernehmen – eine besonders riskante Unternehmung. Gamestop muss nicht nur den Kauf finanzieren, sondern auch ein umfangreicheres Geschäft leiten.
Ryan Cohen, CEO von Gamestop, äußerte gegenüber dem “The Wall Street Journal”, dass er durch die Übernahme einen stärkeren Konkurrenten für Amazon schaffen möchte. Am Sonntag wurde ein Angebot von 125 US-Dollar pro Aktie bekanntgegeben, was einem Aufschlag von 20 Prozent auf den Schlusskurs vom Freitag entspricht. Nachbörslich kletterte der Kurs bereits auf über 116 Dollar.
Gamestop hält bereits etwa fünf Prozent an Ebay-Aktien und bewertet das Angebot mit rund 55,5 Milliarden US-Dollar basierend auf der Anzahl der ausstehenden Aktien. Cohen erklärte, dass bereits ein Kreditzusage über circa 20 Milliarden Dollar für die Übernahme vorliegt, während Details zur weiteren Finanzierung noch unklar sind.
Zaugg merkt an, dass Gamestop auf starke Geldgeber angewiesen ist. Ein Teil der Bezahlung soll in bar erfolgen, wobei ein Großteil über Kredite und Investoren finanziert werden muss. Zudem soll ein Anteil über Aktien laufen, was bedeutet, dass die aktuellen Ebay-Aktionäre nicht nur Kapital erhalten, sondern auch am neuen Gemeinschaftsunternehmen beteiligt werden.
Noch vor kurzem galt Gamestop als Unternehmen in der Krise; sein traditionelles Geschäftsmodell mit Videospielgeschäften litt unter dem Trend zu digitalen Downloads. Viele Filialen mussten schließen, doch während der Corona-Pandemie wurde das Unternehmen durch die Meme-Stock-Bewegung beflügelt und erzielte überraschende Kapitalzuflüsse.
Ryan Cohen übernahm 2023 den Vorstandsvorsitz von Gamestop und führte eine Neuausrichtung des Unternehmens ein. Es konzentriert sich nun auf Sammelkarten, Retro-Konsolenspiele und andere nostalgische Produkte für Gamer.
“Diese Entwicklung ermöglichte es Gamestop, über milliardenschwere Übernahmen nachzudenken,” so Zaugg, jedoch bleibt der geplante Zukauf “äußerst anspruchsvoll und risikoreich.”
Ebay arbeitet ebenfalls an einer Neuausrichtung seines Geschäftsmodells mit einem Fokus auf Sammelartikel, Gebrauchtmode und Autoteile und setzt verstärkt auf Künstliche Intelligenz, um den Einkauf zu erleichtern.
Die strategische Idee hinter dem Deal ist nachvollziehbar: Gamestop bringt seine Marke, Kundenbindung und physischen Stores mit, während Ebay die digitale Infrastruktur beisteuert. Gemeinsam könnten sie im Onlinehandel stärker werden.
Zu Beginn gab es von Ebay keine Stellungnahme zu den Übernahmeplänen. Sollte der Deal erfolgreich sein, plant Ryan Cohen, das fusionierte Unternehmen selbst zu leiten. Obwohl er Erfahrung im Onlinehandel hat, stellt dieser Milliarden-Deal eine neue Herausforderung dar.
Zaugg weist darauf hin, dass Experten skeptisch sind und entscheidend ist, ob Banken und Investoren bereit sind, die Übernahme zu unterstützen. “Ohne ihre Unterstützung wird es schwierig,” so Zaugg.