Julian Amrein berichtet von einem einzigartigen Ansatz zur Integration geflüchteter Menschen, der im Zuger Pfarreizentrum St. Johannes umgesetzt wird. Hier organisiert der Verein FRW Interkultureller Dialog regelmäßig einen Mittagstisch, bei dem Geflüchtete Menüs aus ihrer Heimat für Einheimische und andere Geflüchtete zubereiten. Diese Begegnungen sollen helfen, den Anschluss in der neuen Gesellschaft zu finden.
Im pulsierenden Umfeld rund um das Pfarreizentrum wird deutlich, dass Alltag und kulturelle Vielfalt Hand in Hand gehen. Das Pfarrheim, dessen Türen weit geöffnet sind, zeigt mit auf Glas gemalten Blumen und Schmetterlingen seine Offenheit für den Anlass “Zäme ässe”. Doch erst beim gemeinsamen Essen offenbart sich die tatsächliche Begegnung zwischen den Teilnehmern.
FRW, dessen Name Friede, Respekt, Würde bedeutet, bietet Deutschkurse und Freizeitaktivitäten an. Zudem fördert der Verein den ehrenamtlichen Einsatz bei Aktivitäten wie gemeinsamen Kochveranstaltungen. Mit rund 35 vertretenen Nationalitäten ist Vielfalt ein zentrales Element des Vereins.
Im Esssaal sind die Tische bereits gedeckt, als Tharsini Mangalarupan, Mitglied der Vereinsleitung und verantwortlich für Deutschkurse und Begegnungstreffen, betont: “Nur Deutsch lernen reicht nicht. Die Leute müssen auch aufeinandertreffen und sich vernetzen können.” Der Mittagstisch findet monatlich statt, ergänzt durch Treffen in Steinhausen und Cham. Auch ein Kinderhort ermöglicht es Müttern, an den Kursen teilzunehmen.
In der Küche steht Olga Baskatova aus der Ukraine am Herd, bereitet Buchweizen mit Rindfleisch zu. Sie betont die Vorteile des Buchweizens und versucht Schweizer für diesen zu begeistern. Die Unterstützung durch die Kirchengemeinde ist bedeutend: Finanzielle Hilfe und Räumlichkeiten werden zur Verfügung gestellt, obwohl der Verein nicht christlicher Natur ist.
Christian Weiss, Kommunikationsverantwortlicher von FRW, erläutert das starke Engagement in der Schweiz. Die ehrenamtliche Arbeit im Verein wird auf über 1,5 Millionen Franken pro Jahr geschätzt. Für diese Leistungen wurde FRW 2024 mit dem Anerkennungspreis “Prix Zug engagiert” ausgezeichnet.
Nach dem Essen teilen Olga Baskatova und ihre Freundin Tetiana Yehorova ihre Fluchtgeschichten aus der Ukraine. Sie betonen die Bedeutung ihrer ehrenamtlichen Arbeit: “Wir haben zu viel Zeit und Freude, anderen helfen zu können.” Beide sind dankbar für die Aufnahme in der Schweiz.
Tharsini Mangalarupan hebt hervor, dass viele Geflüchtete keinen Zugang zum Arbeitsmarkt haben. FRW ermöglicht es ihnen jedoch, sich lokal zu vernetzen und ihre Deutschkenntnisse zu verbessern. Der Verein sieht seine Aufgabe darin, Vorurteile abzubauen und gegenseitiges Verständnis zu fördern.
Quellen: Augenschein und persönliche Gespräche vor Ort, Website des FRW Zug