Die Arbeitsbelastung der Gerichte in Luzern ist erneut gestiegen, insbesondere bei Konkursverfahren. Eine Gesetzesreform hat jedoch auch positive Aspekte mit sich gebracht.
Im Jahr 2025 verzeichneten die Konkursämter in Luzern einen Anstieg auf fast 800 Fälle, nach etwas mehr als 600 im Vorjahr. Dieser Zuwachs ist hauptsächlich auf eine Gesetzesänderung zurückzuführen, die seit dem 1. Januar 2025 gilt, wie bei der jährlichen Pressekonferenz zum Gerichtsbericht erläutert wurde.
Die neuen Regelungen ermöglichen es öffentlichen Ämtern, Unternehmen, die Steuern oder andere öffentliche Leistungen nicht bezahlen, mit einem Konkursverfahren zu schließen. Diese Option war vorher nicht möglich.
Zunächst prüft das Konkursgericht bei einer solchen Betreibung die verfügbaren finanziellen Mittel des Unternehmens und leitet dann dessen Schließung ein: Kontensperrungen, Verwahrung der Geschäftsräume und Entlassung von Mitarbeitern.
Vor der Reform waren öffentlich-rechtliche Institutionen nicht befugt, solche Konkurse zu betreiben. Dies führte dazu, dass einige Unternehmer das alte Gesetz nutzten, um Steuern nicht zu zahlen, da sie wussten, dass ihre Unternehmen nichts Wertvolles besaßen.
Politiker forderten bereits 2011 eine Änderung des Gesetzes, um die missbräuchliche Anmeldung von Konkursen einzudämmen. Die Reform ermöglicht es nun öffentlichen Institutionen, Schuldner auf Konkurs anstatt nur auf Pfändung zu betreiben.
Obwohl die Gesetzesänderung noch keine sofortige Zunahme der Konkurse verzeichnete, wurde im ersten Quartal 2026 eine deutliche Steigerung beobachtet: Von Januar bis März wurden in Luzern 98 Fälle eröffnet, verglichen mit 58 im Vorjahr.
Roland Kunz, Leiter des Konkursamts, betont, dass es sich bei der Reform nicht um Unternehmer handelt, die einmalig in finanzielle Schwierigkeiten geraten. Ziel ist es, Wiederholungstäter abzuschrecken, die systematisch Unternehmen in den Konkurs treiben.
Die Gerichte verzeichneten auch einen Rekordzuwachs an Fällen in allen Instanzen, wobei mehr als im Vorjahr erledigt wurden. Das Kantonsgericht bewältigte 2025 mehr Verfahren als zuvor, obwohl einige komplexe Straf- und Bauverfahren die Dauer verlängerten.
Die Schlichtungsbehörde Miete und Pacht sah sich mit einem Anstieg der Fälle konfrontiert, bedingt durch den schwierigen Wohnungsmarkt und steigende Energiepreise. Trotz eines Fallanstiegs schloss das Grundbuchamt mehr Geschäfte ab als neu eingingen.
Ein weiterer Trend ist die zunehmende Zahl von Laienbeschwerden ohne juristische Beratung, wobei Künstliche Intelligenz immer häufiger zum Einsatz kommt. Diese Entwicklung macht den Prozess komplexer und aufwendiger für die Gerichte.
Quellen: Pressekonferenz der Luzerner Gerichte zum Geschäftsjahr 2025; Medienmitteilung des Kantons Luzern zum Kantonsgericht.