Der Glaube an Gold als sicherer Hafen hat sich erneut als trügerisch erwiesen, nachdem das Edelmetall seit Ausbruch des Iran-Krieges um rund 15 Prozent im Wert gefallen ist. Der Rückgang übertrifft sogar den Verlust bei US-Aktien in derselben Zeitspanne. Viele Investoren hatten gehofft, dass Gold durch vermehrte Nachfrage während der Konflikte stabil bleiben würde, doch das Gegenteil trat ein: Sowohl Gold- als auch Aktienkurse sind zusammengebrochen. Seit den Angriffen auf den Iran hat sich gezeigt, dass Gold nicht die Krisensicherheit bietet, von der oft die Rede ist. Historisch gesehen verzeichnete das Edelmetall häufig Kursverluste in turbulenten Zeiten wie während der Finanzkrise nach dem Lehman-Schock oder bei Ankündigungen signifikanter politischer Maßnahmen durch Donald Trump. Ein Grund für den jüngsten Preisrückgang von Gold ist dessen Vorab-Preisanstieg, der eine Korrektur erforderte. Zudem hat der Dollar als Fluchtwährung im Nahostkonflikt an Bedeutung gewonnen. Die aktuellen Ereignisse verdeutlichen: In Krisenzeiten wird nicht nach Sicherheit, sondern nach Liquidität gesucht. Investoren veräußern daher oft ihre Goldbestände, um schnelles Bargeld zur Deckung von Verlusten zu generieren. Goldanleger, die das Metall als Gegenpol zum modernen Finanzsystem betrachten, sehen sich mit der Realität konfrontiert: Der Wertverlust ist auch eine Folge steigender Erdölpreise, Inflationssorgen und höherer Zinsen, die Kapital in festverzinsliche Papiere lenken. Gold bietet im Gegensatz zu Obligationen keinen Zins und keine Dividenden. Somit zeigt sich, dass Gold tief im heutigen Finanzsystem verwurzelt ist und von dessen Schwankungen betroffen ist. Obwohl es sinnvoll sein kann, einen Teil des Vermögens in Gold zu investieren wegen seiner natürlichen Knappheit, sollten Anleger nicht erwarten, dass es kurzfristig vor Krisen schützt.