In Dintikon AG steht das größte Getreidesilo der Schweiz, gelegen im Aargauer Bünztal. Es dient als zentrales Lager für die schweizerischen Pflichtlagerbestände, darunter Lebensmittel und andere lebensnotwendige Güter. Bis zu 100.000 Tonnen Getreide sind in diesem monumentalen Gebäude, das 200 Meter lang, 60 Meter hoch und 40 Meter breit ist, untergebracht. Diese Kapazität ermöglicht es, im Notfall für drei Monate Mühlen mit Getreide versorgen zu können, einschließlich Futtermitteln für Tiere. Die Betriebsführung liegt in den Händen der Rheinischen Silogemeinschaft AG.
Kunden des Aargauer Silos kommen aus ganz der Schweiz, darunter die Fenaco, ein Anbieter von Futtermitteln und Mahlgetreide für die menschliche Ernährung. Getreidemühlen nutzen das Lager zudem als zusätzlichen Platz, um gesetzlich vorgeschriebene Notfallvorräte unterzubringen. Victor Blanco, der Chef des Silos, erläutert: «Wir fungieren als Dienstleister und bieten die Lagerkapazitäten an. Kunden müssen eine bestimmte Menge für Pflichtlager anmelden». In den 482 Betonschächten lagern verschiedene Getreidearten wie Weizen, Urdinkel, Sojaschrot, Dinkel sowie Futterweizen.
Neben Getreide sind in der Schweiz auch Reis, Zucker, Kaffee und Erdölprodukte Pflichtlagerbestandteile. Diese Vorräte sind für Krisenzeiten wie Pandemien oder Naturkatastrophen gedacht. Gemäß einer Bundesveröffentlichung hielten Ende 2024 rund 280 Unternehmen solche Lager vor, mit spezifischen Haltbarkeitsanforderungen je nach Produkt.
Die Freigabe von Pflichtlagern erfolgt durch das Eidgenössische Wirtschaftsdepartement und kann im Krisenfall per Verordnung bewilligt werden. In den Jahren 2019 bis 2022 wurden beispielsweise Medikamente aus diesen Lagern in 416 Fällen zur Überbrückung von Mangellagen entnommen.
Die genaue Anzahl solcher Silos ist nicht öffentlich bekannt, um Sicherheitsgründe zu wahren. Das höchste Silo der Schweiz, der Swiss Mill Tower in Zürich, erreicht eine Höhe von 118 Metern und dient ebenfalls als Getreidelager.
Die Finanzierung dieser Lager erfolgt durch Verträge zwischen dem Bundesamt für Wirtschaft und den Firmen. Der Bund unterstützt die Unternehmen mit Garantien auf Bankdarlehen und ermöglicht es, sogenannte Garantiefonds zu bilden. Die Kosten werden indirekt über die Verkaufspreise der Produkte an Konsumentinnen und Konsumenten weitergegeben.