Mit 67 Jahren blickt Harold Kreis, deutscher Nationaltrainer und ehemaliger Spieler, auf eine beeindruckende Karriere im Eishockey zurück. In dieser Woche trifft sein Team in der WM-Hauptrunde auf die Schweiz. Er erinnert sich daran, wie er 1978 als Kanadier nach Deutschland kam und als “Rucksack-Deutscher” bezeichnet wurde. Trotz anfänglicher Vorbehalte fand Kreis seinen Weg und verbrachte prägende Jahre in der Schweiz, wo seine Trainerlaufbahn eine neue Richtung nahm.
Kreis war zunächst Spieler in Mannheim und musste sich mit Vorurteilen auseinandersetzen. Er wurde beschuldigt, den Deutschen die Arbeitsplätze zu nehmen. Seine Fähigkeit, Konflikte zu lösen, zeigte er, als er einen gegnerischen Fan in Rosenheim herausforderte. Nach einer Entlassung fand er neue Inspiration bei den HCD-Junioren in Davos. Eine legendäre Episode dort war der Einfluss des Films “Miracle on Ice”, die ihn dazu inspirierte, seine erste Strafe während seiner Trainerkarriere zu verhängen.
Sein Wechsel zum HC Lugano und später zu den ZSC Lions führte zu zwei Meisterschaften. Die emotionale Bindung zum ZSC-Prozess war besonders tief. Im Jahr 2014 lehnte er das Angebot, Schweizer Nationaltrainer zu werden, zugunsten des EV Zug ab. Kreis betont die Wichtigkeit von Gerechtigkeit und Fairness im Sport.
Die Gelassenheit, mit der Kreis Herausforderungen meistert, ist beeindruckend. Er betrachtet Eishockey als Spiel neben anderen Lebensbereichen und legt Wert auf den Prozess über den reinen Sieg hinaus. Die Schweiz schätzt er für ihre Freundlichkeit und die Natur.
Als deutscher Nationaltrainer arbeitet Kreis mit jungen Spielern, die oft deutlich jünger sind als er selbst. Er legt Wert auf Respekt und vermittelt seine Erfahrungen, während er von der Generation Z lernt. Trotz Spielerabwesenheiten wie Leon Draisaitl und Tim Stützle sieht er sein Team motiviert.
Die wachsende Belastung durch den Hockey-Kalender bleibt ein Thema, doch Kreis ist überzeugt von der anhaltenden Faszination der WM. Er plant, 2027 als Nationaltrainer bei der Heim-WM in Deutschland zu enden und freut sich auf mehr Zeit mit seinen Enkeln.