Kontrollen ohne Flexibilität sorgen für Unmut bei Fahrgästen des öffentlichen Verkehrs. Kleinste Fehler können hohe Bußgelder oder sogar Gefängnisstrafen zur Folge haben, wie in Zug und Luzern zu beobachten ist.
Das späte Erwerben eines Tickets nur Sekunden nach Abfahrt zieht ein Bußgeld von 200 Franken nach sich, ergänzt um einen Eintrag ins Register für Schwarzfahrer. Dies gilt selbst dann, wenn keine Absicht zur Täuschung erkennbar ist.
Hans Höhener, der Ombudsmann für den öffentlichen Verkehr und als solcher laut “Tagesanzeiger” zwischen Fahrgästen und Transportunternehmen vermittelnd tätig ist, kritisiert diese rigide Vorgehensweise. Er bemängelt die Härte bei Strafen ohne erkennbare Täuschungsabsicht – etwa wenn ein Ticket erst kurz nach Abfahrt erworben wird und die Kontrolle dann Stunden später erfolgt.
Höhener plädiert für mehr Augenmaß in der Handhabung solcher Fälle. Auch das Wechseln auf eine neue Verbindung bei Verspätungen kann, falls diese durch zusätzliche Tarifzonen führt, zu einem Bußgeld und Eintrag im Schwarzfahrerregister führen.
Höhener fordert, dass Transportunternehmen mehr Ermessensspielraum zeigen. Strenge Kontrollen verursachen Zeitverluste und sind oft unverhältnismäßig zum Betrag der Bußgelder, wie “zentralplus” berichtete.
Die SBB hingegen betonen die Notwendigkeit klarer Regeln. Für Kontrolleurinnen sei oftmals nicht zu erkennen, ob ein Verstoß vorsätzlich oder versehentlich passiert ist, weshalb jeder Fall geahndet wird. Fahrgäste haben jedoch die Möglichkeit, beim Servicecenter eine Reklamation einzulegen.
Die Verkehrsbetriebe Luzern (VBL) halten sich an die Vorgaben von Alliance Swisspass: Unbefugte werden erfasst und können bei empfundener Unfairness Einspruch einlegen.
Auch die Zugerland Verkehrsbetriebe (ZVB) folgen diesen Richtlinien, um Steuergelder nicht zu verschwenden. Sie betonen eine niedrige Schwarzfahrerquote im Vergleichsgebiet.
Im Jahr 2025 verzeichnete die Schweizer ÖV-Branche einen Rekord bei Schwarzfahrensfällen: Fast 1,2 Millionen Fälle wurden registriert. Ein Anstieg ist auf mehr Fahrgäste und effizientere Kontrollen zurückzuführen.
Jährlich landen rund 5000 Menschen im Gefängnis wegen Bußgeldern, meistens wegen Schwarzfahrens. Eine Geldstrafe kann auch “abgesessen” werden – was den Staat teurer kommt als das Bußgeld selbst.
Quellen: Schriftliche Auskünfte von ZVB und VBL, Artikel des “Tagesanzeigers”, Berichte von “Watson”.