Der Bruder der Schriftstellerin Ingeborg Bachmann, Heinz Bachmann, spricht im Alter von 87 Jahren über das Leben seiner Schwester und deren Verbindung zum Autor Max Frisch. Im Jahr 1962 machte er Fotos von Ingeborg in Rom, die eine strahlende Persönlichkeit zeigt. Ihre Beziehung zu ihrem älteren Bruder Heinz war geprägt von Fürsorge und Unterstützung, besonders während Krisenzeiten.
Heinz Bachmann arbeitete als Geologe im Ölsektor, bevor er sich dem Erbe seiner Schwester widmete. Nachdem er seine Memoiren veröffentlicht hatte, lebt er in London, ist aber mittlerweile über Video-Call in Wien zu erreichen. Die Vorbereitungen für Ingeborg Bachmanns 100. Geburtstag am 25. Juni laufen.
Heinz spricht über den tragischen Unfall seiner Schwester im Jahr 1973 und die nachfolgenden Gerüchte, einschließlich falscher Behauptungen eines Mordes. Er erinnert sich an seine Verwirrung bei der Nachricht von dem Vorfall in Rom und die komplizierten Umstände seiner damaligen beruflichen Situation.
Zum Tod Ingeborgs fand er es absurd, wie Gerüchte über Drogen und Mafia im Freundeskreis kursierten. Er betont, dass das Begräbnis von ihrer Familie nach Klagenfurt verlegt wurde, um öffentliche Eskalationen zu vermeiden.
Der Unfall sei durch Ingeborgs Missbrauch von Medikamenten begünstigt worden; Freunde berichten von Vorfällen, bei denen sie Zigarettenunfälle nicht bemerkte. Heinz erinnert sich an das literarische Leben seiner Schwester und ihre besondere Wirkung auf ihn als Kind.
Er schildert frühe Brüche im Leben Ingeborgs, etwa die Trennung von Hans Weigel sowie die Beziehung zu Paul Celan. 1958 traf Heinz in Paris ihren Freund Pierre Burk, bevor sich Ingeborg heimlich mit Max Frisch traf.
Nachdem er sich für Frisch interessiert hatte und dessen Roman “Stiller” gelesen hatte, fand Heinz das Werk wenig ansprechend. Seine anfänglichen ambivalenten Gefühle gegenüber Frisch resultierten unter anderem aus der literarischen Verarbeitung persönlicher Beziehungen.
Die Beziehung zwischen Ingeborg und Max Frisch endete dramatisch, als sie sich in “Mein Name sei Gantenbein” verletzt fühlte. Heinz schildert die Vorsicht ihrer Konversationen über Frischs Verhalten und Eifersucht.
Heutzutage wird auch der politische Hintergrund Ingeborgs diskutiert, insbesondere die NSDAP-Mitgliedschaft ihres Vaters, Matthias Bachmann. Heinz hebt hervor, dass Ingeborg vehement gegen solche Ideologien anging und ihre literarischen Werke oft diese Themen aufgriffen.
Heinz reflektiert über den engen Zusammenhang zwischen Ingeborgs Leben und ihrer Literatur, insbesondere in der Werkausgabe “Male oscuro”. Trotz der Herausforderungen bei der Entscheidung, private Dokumente zu öffnen, betont er die Bedeutung dieser Aufzeichnungen für das Verständnis ihres Werks.