Vier Jahrzehnte lang begeistert der deutsche Popstar Herbert Grönemeyer Millionen von Fans weltweit und bestimmt die Charts mit seinen Alben. Sein Weg war jedoch keineswegs einfach: Sein erstes Album “Grönemeyer” (1979) fand nur 500 Käufer, gefolgt von seinem zweiten Werk “Zwo” (1980), das lediglich 300 Mal über die Ladentheke ging. Auch bei den Nachfolgern “Total egal” (1982) und “Gemischte Gefühle” (1983) blieben die Verkäufe trotz wachsender Beliebtheit seiner Musik aus, während seine Liveauftritte kaum Beachtung fanden.
Konzerte vor nur zehn Zuschauern oder gar abgesagte Auftritte wegen zu geringer Ticketverkäufe waren an der Tagesordnung. In Berlin musste er einmal sogar vor gerade mal zwei Fans spielen, obwohl eine Halle für 1500 Personen vorgesehen war. Diese Rückschläge verarbeitete Grönemeyer in Liedern wie “Total egal”, in dem er seine Enttäuschung ausdrückte: «Den Job geschafft vor nur dreissig Leuten / So’n mieses Kaff, nur Zeit vergeudet / Haben nichts begriffen und uns auch noch ausgepfiffen / Waren wirklich zu blöd, nichts wie nach Hause.”
Trotz der Herausforderungen gab er nicht auf. Lieder wie “Ich hab dich lieb”, “Currywurst” und “Musik nur, wenn sie laut ist” sind heute Klassiker, obwohl sie vor dem großen Erfolg kaum Beachtung fanden. Die ersten vier Alben von Grönemeyer offenbaren seinen experimentellen Ansatz zur Instrumentierung und Emotionalität in der Musik.
Diese Werke waren ihrer Zeit voraus und zeugen von einem brillanten Musiker, wie er heute im Alter von 70 Jahren ist. Der Durchbruch kam schließlich 1984 mit dem Album “4630 Bochum”, das Hits wie “Männer” und “Flugzeuge im Bauch” enthielt und Grönemeyer in den Pop-Olymp katapultierte. “Sprünge” (1986) und “Ö” (1988) festigten seinen Erfolg weiter, bis schließlich “Mensch” (2002) mit über drei Millionen verkauften Exemplaren einen neuen Meilenstein setzte.
Während das Album “Mensch” viel Aufmerksamkeit auf sich zog und Grönemeyers persönliche Kämpfe beleuchtete, wird oft vergessen, wie entscheidend seine Anfangsjahre von 1979 bis 1983 für seinen späteren Erfolg waren. Diese Phase des Ausprobierens und Weitermachens legte den Grundstein für eine außergewöhnliche Karriere.
Zum 70. Geburtstag von Herbert Grönemeyer könnte man eine Playlist mit frühen Songs wie “Pompeji” oder “Kairo” zusammenstellen, die als Meisterwerke gelten, oder unverzichtbare Lieder wie “Anna” und “Total Egal”, die jeder Fan kennt. Am besten genießt man solche Klassiker wie “Musik nur, wenn sie laut ist” bei einem Frühlingsmorgen mit geöffneten Fenstern.
Radio SRF 3, 10.4.2026, 11.15 Uhr